Rund 40 Teinehmer nutzten am 22. Oktober die Gelegenheit, sich auf der vom IRD Institut für rationale Unternehmensführung e.V. (IRD) und der Kepplermediengruppe gemeinsam veranstalteten Fachtagung Papier & Logistik zu den Themen Materialbeschaffung und Service zu informieren. Denn: Trotz Preisdruck und Margenzerfall werden die Potenziale im Einkauf zu wenig genutzt. Dies gilt für Papier und Karton genau so, wie für den Bereich der Gemeinkosten. Und Bedruckstoffe sind prädestiniert für Beratungskompetenz. Wer auf diesem Klavier nicht spielt, so eine der Thesen, lässt einen wichtigen Baustein in Service und Differenzierung ungenutzt. Gerade die heutige Zeit bietet den Spielraum, gewohnte Bahnen bei Kunden zu durchbrechen und das Druckunternehmen als Know-how-Träger in Sachen Bedruckstoffe zu positionieren.
Nach der Begrüßung durch den Institutsleiter Eckhard Bölke, der im folgenden auch die Moderation übernahm, empfahl Thomas Hügle von der Paperconnect GmbH & Co KG zunächst das von seinem Unternehmen für den Papiereinkauf entwickelte Benchmarksystem "Preismonitor". Damit lassen sich eigene Einkaufspreise mit Bestpreisen des Marktes vergleichen und erkennen, wie gut die eigenen Preise tatsächlich sind. Auf diese Weise, so Hügle, lasse ich Handlungsbedarf identifizieren und bislang verborgene Einsparpotenziale realisieren. Die Erfahrung aus vielen Einzelanalysen zeige, dass es bei den Papierlieferanten deutliche Preisunterschiede für identische Leistungen von Druckerei zu Druckerei gibt. Hier sei dringend mehr Transparenz erforderlich, um sich vor unerkannt zu hohen Papierpreisen zu schützen und ein wirksames Eigencontrolling der Papier-Einkaufspreise zu ermöglichen.
Anschließend widmete sich Lucas Franzot vom MVD Print-Partner- Netzwerk den "Grundlagen eines optimierten Einkaufs", bevor Franz-Josef Raesfeld von der Mittelstandsberatung die Gemeinkostenanalyse und –optimierung durch einen externen Fachmann als Grundlage für das Einkaufsmanagement und das Aufspüren brachliegender und vergessener Ressourcen erörterte. Sein Credo: Eine Kostenersparnis verbessert sofort das Betriebsergebnis, ohne den Umsatz steigern zu müssen. 1.000 Euro Kostenersparnis sind leichter zu generieren, als beispielsweise 50.000 Euro mehr Umsatz (bei einer Rendite von zwei Prozent).
Nach dem Mittagessen gestaltete Susanne Haase den Auftakt zum zweiten Teil der Veranstaltung. Sie ist Chefredakteurin der Fachzeitschrift IPW und beratend beteiligt am Paperazzo-Magazin, beides Titel der Kepplermediengruppe. In ihrem Vortrag nahm sie eine kritische Analyse des Know-how-Flusses zwischen Papierhersteller, Handel, Kunden, Drucker und Verarbeiter vor. Insbesondere beleuchtete sie das oft gespannte Verhältnis zwischen der Druckindustrie und der Papierindustrie und zeigte anhand der Ergebnisse von Studien der Papiertechnischen Stifung (PTS) und von Workshops der FPT (Forschungsvereinigung Papiertechnik), welche Möglichkeiten zur Verbesserung im Raum stehen. Allerdings, so räumte sie ein, würden Ansätze zu einer besseren Kommunikation und Zusammenarbeit nur zögernd angegangen.
Im Anschluss an eine kurze Kaffepause machte Andreas Pfeil von der Climate Partner GmbH & Co. KG auf die ökologischen Potenziale in Papier und Logistik aufmerksam. Die Papier- und Zellstoffindustrie rangiert demnach weltweit auf Platz vier der industriellen Erzeuger von CO2-Emissionen. Auch mittelbar (z.B. durch die Auswahl des Papiers und anderer Materialien) treffe die Medienproduktion daher ein hohes Maß an Verantwortung für das Klima, so Pfeil. Bei der Auswahl ökologisch vorteilhafter Papiere und einer optimierten, energieeffizienten Medienlogistik ergeben sich demnach für die Druckereien zudem beträchtliche Einsparpotenziale.
Zum Abschluss der Fachtagung gingen Eckhard Bölke und der Unternehmensberater und Fachautor Werner Rothenöder gemeinsam auf den Datenaustausch zwischen Handel und Drucker ein und votierten für eine Standardisierung der "Papierschnittstelle" in den gängigen Management Informationssystemen. Dies werde sowohl von allen angesprochenen MIS-Anbietern als auch von den Papierhändliern unterstützt. Die Schnittstelle soll den Druckereien bei Preisanfragen und Bestellvorgängen Informationen zu den aktuellen Papierpreisen (Preise der Druckerei, Preislistenpreise), über die lieferbaren Grammaturen und Formate, über Volumen und Papierdicke, Leistungsmerkmale (Einfluss des Papiers auf die Produktionsleistung), und nicht zuletzt Zertifizierungs-und Registrierungsnummern bezüglich FSC und PEFC liefern.
(tz)