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Schweizer Präzision mit dänischer Technik


Zwischen Winterthur und St. Gallen liegt der Schweizer Ort Bazenheid. Wer die dort ansässige Labelpack AG besucht, findet ein klar strukturiertes Firmengebäude mit moderner Fassade sowie moderner Infrastruktur vor. Im Oktober 2014 wurde das Domizil bezogen, das sichtbares Zeichen einer eindrucksvollen Entwicklung ist. Gleichzeitig mit dem Einzug hat das Unternehmen, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiern kann, seine erste Druckmaschine des dänischen Herstellers Nilpeter installiert: eine Neunfarben-FA-4*.


Ein zweites Modell dieser Baureihe folgte nur drei Jahre später. Über ihre damit verbundenen Erfahrungen berichten im vorliegenden Artikel Geschäftsführerin Petra Herran und Wolfgang Bezler, der in der Geschäftsleitung der Labelpack AG die Finanzen verantwortet.

Als die Labelpack AG im Herbst 1999 am Standort Rorschach an den Start geht, gilt der Schweizer Druckmarkt als gesättigt. "Niemand hat auf uns gewartet", meint Petra Herran, "als wir uns für eine große Investition in eine leistungsfähige Hybridmaschine entschieden haben, um damit Haftmaterialien und Folien zu bedrucken." Den Hindernissen zum Trotz scheint das Unternehmen seither viele richtige Entscheidungen getroffen zu haben. Schließlich ist es seit seinem Start kontinuierlich gewachsen.

Hybrid-Technik ermöglicht Schnellstart

Wenige Monate nach der Firmengründung wird die Produktion aufgenommen. In dieser Phase erweist sich die Möglichkeit, bei der neuen Hybridmaschine fünf der sieben Farbwerke auf Siebdruck wechseln zu können, als wichtiges Verkaufsargument. Vor allem Kunden im Kosmetikbereich interessieren sich für den fünffarbigen Siebdruck, so dass größere Aufträge aus diesem Marktsegment schnell das Wachstum ankurbeln.

Die Zahl der Anfragen stieg in kurzer Zeit auf ein Niveau, bei dem eine weitere Produktionskapazität notwendig wurde, um sie noch bewältigen zu können. So kurz nach dem Start war der finanzielle Spielraum für die Investition in eine zweite Maschine jedoch knapp bemessen. Vor diesem Hintergrund hat sich die Labelpack AG im Januar 2001 der Karl Spiess Holding AG in Lichtensteig angeschlossen, die damals schon an verschiedenen Firmen der Druckbranche beteiligt war. Mehrere Jahre konnte das Unternehmen in dieser Situation eigenständig agieren und sein Wachstum fortsetzen.

Nach Management-Buy-out auf Standortsuche

Einen Nachteil stellte jedoch der Standort in Lichtensteig dar. Das Platzangebot war so begrenzt, dass jede Verbesserung der Abläufe fast immer mit Improvisation verbunden war. "Das hat die Wirtschaftlichkeit seinerzeit spürbar beeinträchtigt", erinnert sich Petra Herran. "In der Fertigung mussten deshalb viele Produkte mehrfach angefasst werden, und obendrein war die Zufahrt zum Gebäude nur über eine schmale und steile Straße möglich."

Vor diesem Hintergrund kam der Labelpack AG die Chance sehr gelegen, dass die aktuelle Geschäftsleitung im Januar 2010 die Verantwortung über das Unternehmen durch ein Management-Buy-out wieder zurückholen konnte. "Wir griffen spontan zu", so Wolfgang Bezler, "was im Rückblick eine sehr gute Entscheidung für unsere Entwicklung war. Uns war klar, dass im bestehenden Gebäude kein Platz für eine Erweiterung des Maschinenparks war. Um weiter wachsen zu können, gingen wir auf die Suche nach einem neuen Standort." Als ein geeignetes Bauland gefunden und die Planung einer modernen Etikettenproduktion abgeschlossen war, konnte im August 2013 die Errichtung des neuen Produktionsstandortes auf der grünen Wiese in Bazenheid starten. Im Oktober 2014 war der Neubau fertiggestellt.

Weil der Mietvertrag für das Gebäude in Lichtensteig auslief, musste der Umzug innerhalb von sechs Wochen über die Bühne gehen. Die Verlagerung der insgesamt drei Druckmaschinen (alle zweischichtig ausgelastet) wäre dabei nicht ohne einen vorübergehenden Ausfall von Produktionskapazitäten realisierbar gewesen. Dieses Problem löste die Labelpack AG damit, dass zeitgleich mit dem Einzug ins neue Gebäude eine neue Maschine installiert wurde. Auf diese Weise war die volle Lieferfähigkeit auch während des Umzugs immer gewährleistet.

Produktionsstart am neuen Standort mit erster Nilpeter-Maschine

Die erste Druckmaschine, die im September 2014 am neuen Standort installiert wurde, war eine Nilpeter FA-4*, mit neun Druckwerken für den UV-Flexodruck in einer Bahnbreite von 420 mm. Dass die Druckerei bei einer so bedeutsamen Investition auf einen neuen Lieferpartner gesetzt hat, ist ein Beleg für das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des dänischen Maschinenherstellers. Den Ausschlag für diese Entscheidung gab neben den technischen Kriterien wie hohe Druckqualität oder kurze Umrüstzeiten vor allem die individuelle Beratung. Weil bei der Labelpack AG Selbstklebe-Etiketten und flexible Verpackungen für Kunden aus den Marktsegmenten Lebensmittel und Getränke sowie aus der Chemie-, Kosmetik- und Pharmaindustrie produziert werden, legte das Unternehmen großen Wert auf eine Druckmaschine, die bei Konstruktion und Verarbeitung die speziellen Anforderungen der Lebensmittelsicherheit berücksichtigt.

Andreas Höfner von der Nilpeter GmbH in Wien erinnert sich gut an die Evaluierungsphase. Ungewöhnlich fand er, wie sehr die Rückseite der Maschine im Fokus stand. Petra Herran hat die logische Erklärung dafür: "Bei der Ausstattung des Neubaus haben wir alle Register für Hygiene, Umweltschutz und effiziente Energienutzung gezogen. Folglich wollten wir bei der Drucktechnik ähnlich hohe Standards anlegen und haben deshalb auf Dinge wie entsprechende Isolierung oder Abdeckung von Bauteilen geachtet." Im Ergebnis konnte das Unternehmen damit seine Aufträge insbesondere im Lebensmittelbereich erfolgreich ausbauen.

Kapazitätserweiterung mit zweiter Nilpeter-Maschine

Mit der Inbetriebnahme der neuen Nilpeter-Maschine zeichnete sich rasch ab, dass im Markt noch weiteres Wachstumspotenzial vorhanden war. Weil der bestehende Maschinenpark auf Dauer keine ausreichende Kapazität bot, fiel alsbald der Entschluss zur Installation einer weiteren Druckmaschine. Aufgrund der guten Erfahrungen mit der Nilpeter-FA-4* orderte die Labelpack AG eine zweite Maschine dieses Typs mit ähnlicher Ausstattung. Die Inbetriebnahme erfolgte im Oktober 2017. Im Unterschied zur ersten Nilpeter verfügt sie über eine zusätzliche Einrichtung zum  Zuführen einer zweiten Bahn, um so auch mehrlagige Etiketten herstellen zu können.

Die Leistungen der Nilpeter GmbH in Sachen Beratung und Service beschränken sich nicht auf die Druckmaschinen der Muttergesellschaft. Daneben gehören auch Produkte von Prati oder Grafisk Maskinfabrik zum Programm. In den letzten Jahren wurden aus diesem Portfolio z.B. Inspektionssysteme von Prati wie der Slitter Rewinder vom Typ Jupiter, die modulare Verarbeitungsanlage Vega+ mit Turret-Rewinder oder die New Saturn 450 installiert. Alle Konfektionieranlagen sind mit einem Kamerasystem von Nikka zur 100-Prozent-Kontrolle ausgestattet.

Premium- und Blanko-Etiketten aus einer Hand

Die Philosophie der Labelpack AG beinhaltet, dass für die Kunden ein möglichst breites Spektrum angeboten wird, das von hochwertigen Etiketten zur Produktdekoration über Promotion- und Funktionsetiketten bis hin zu Logistik- und Auszeichnungsetiketten reicht. Häufig lassen sich mit dem Angebot von Gesamtpaketen neue Aufträge gewinnen, da viele Kunden parallel zu anspruchsvollen Dekorations-Etiketten auch Blanko-Etiketten für die Logistik benötigen. Die Vielfalt des Produktprogramms erfordert ein hohes Maß an Flexibilität in der Fertigung. Deshalb achtet das Unternehmen auf einen Maschinenpark, bei dem Bahnbreiten, Zylindergrößen, Druckkennlinien etc. so aufeinander abgestimmt sind, dass ein Großteil der Aufträge auf möglichst vielen Maschinen im Haus gefertigt werden kann und am Ende trotzdem das gleiche Ergebnis erzielt wird.

Standardisierte Abläufe

Auf dem Weg zu so viel Flexibilität ist im Vorfeld ein erheblicher Aufwand zu betreiben. Ein Beispiel ist die exakte Erfassung des Schöpfvolumens. Für jede Rasterwalze wird der jeweils aktuelle Wert im System hinterlegt, so dass Aufträge tatsächlich problemlos von einer Maschine auf die nächste gewechselt werden können. In dieser Weise kontinuierlich an der Optimierung der Abläufe zu arbeiten, ist nach Einschätzung von Petra Herran seit jeher ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Labelpack AG.

Das gilt umso mehr, je deutlicher die Forderung nach immer kürzeren Lieferfristen zunimmt. In dieser Situation ist die moderne Ausstattung der Nilpeter FA-4* von Vorteil, die eine Voraussetzung für möglichst geringe Rüstzeiten ist. Sie erlaubt selbst bei Aufträgen mit kleinerem Druckvolumen eine wirtschaftliche Fertigung. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die Bedienerfreundlichkeit. Auch in dieser Hinsicht gibt das Personal in Bazenheid der Maschine gute Noten. Und dass anstelle eines Bedienpultes ein iPad zum Einsatz kommt, fasziniert junge Menschen, die ansonsten schwierig für eine Ausbildung im Druckbereich zu gewinnen sind.

Für Nachwuchskräfte attraktiver Digitaldruck

Der inzwischen ebenfalls genutzte Digitaldruck wird dem Unternehmen in Zukunft eventuell die Aufgabe erleichtern, Nachwuchs zu finden. Schließlich übt der Digitaldruck eine noch größere Anziehungskraft auf die junge Generation aus, als konventionelle Druckmaschinen.

Fotos: Labelpack AG / Ehrlitzer

sbr / 04/29/2019