DRUCKSPIEGEL-BLOG


von Stefan Breitenfeld

12.02.2020

Inkcups, Direktdruck, DTO, Digitaldruck

Direktdruck auf zylindrischen Objekten

Direktes Bedrucken zylindrischer Rundkörper ist eine relativ neue Anwendung, die ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten eröffnet. Digitaldrucktechniken (optimiert durch spezielle Tinten bzw. Druckfarben und hochentwickelte Druckköpfe) wurden in automatisierte Produktionsabläufe integriert, um eine beeindruckende, reproduzierbare Qualität bei niedrigen Gestehungskosten zu erzielen. Die Folge sind erweiterte Geschäftspotenziale für Druckdienstleister und neue Möglichkeiten für Kunden in den Bereichen Branding und Werbeaktionen.

Ein Beitrag von Benjamin Adner, CEO, Inkcups.

Zunächst eine Definition: Beim Direktdruck auf zylindrischen Objekten (Direct-to-Object, DTO) trägt eine Maschine Tinte bzw. Druckfarbe direkt auf eine gekrümmte Oberfläche auf, bei der es sich üblicherweise um die Wand eines Objekts handelt, das einen kreisförmigen Querschnitt und einen konstanten, konischen oder variablen Durchmesser hat. Das Bedrucken zylindrischer Objekte ist per Tampondruck, Siebdruck oder Digitaldruck möglich.

Der Tampondruck eignet sich, wenn der Auftrag mit einer oder zwei Farben produziert und nur ein- oder zweifarbig auf eine beschränkte Fläche (kein rundum laufendes Motiv und typischerweise weniger als 25 % der Oberfläche) gedruckt werden soll. Im Siebdruck lassen sich mehrfarbige Grafiken 360° rundum auf Oberflächen drucken. Der Siebdruck hat den Vorteil, dass er weit verbreitet und ein bewährtes Verfahren ist. Nachteilig sind jedoch die erforderliche Arbeitszeit, die Materialkosten und zusätzliche Produktionsschritte. Da heute bei Druckaufträgen für zylindrische Objekte zusätzliche Farben und kreativere Bildwiedergabeoptionen gefragt sind, wird der Siebdruck zunehmend von effizienteren und mit mehr Fähigkeiten ausgestatteten digitalen Systemen verdrängt.

Der digitale DTO-Druck bietet drei entscheidende Vorteile gegenüber dem Siebdruck: 1) Produktion mehrfarbiger Motive und/oder den Zylinder vollständig umschlingender Designeffekte in einem Durchgang; 2) die Möglichkeit, Kleinauflagen mit Individualisierung zu drucken; 3) enorme Zeit- und Kosteneinsparungen. Zusammengenommen sprechen diese Stärken für den digitalen DTO-Druck.

In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf das neuere digitale Verfahren.

Eine Fülle von Anwendungen

Während der Digitaldruck auf flachen Gegenständen seit Jahren gängige Praxis ist, können Anwender jetzt auch eine breite Palette zylindrischer Objekte digital bedrucken. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass viele Maschinen auf dem Markt Beschränkungen hinsichtlich der Art der verwendbaren Zylinder unterliegen. Zu den wichtigsten Parametern zählen in diesem Zusammenhang der Durchmesser und die Länge des Objekts, ggf. der Konuswinkel und die Tiefe der größten Kontur. Neben Beschränkungen des digitalen Drucksystems sollten Anwender auch die Materialzusammensetzung der Gegenstände berücksichtigen, da bestimmte Tinten nur auf bestimmten Materialien ausreichend haften.

Zur Vielfalt zylindrischer Gegenstände, die sich nun digital bedrucken lassen, zählen Getränkegläser und Barzubehör, Edelstahl-Trinkbecher, Sport-Trinkflaschen aus Kunststoff, Kerzen und Kerzenständer, industrielle Hülsen, Einwegbecher, Bier- und Spirituosenflaschen, Messbecher, Produkte für Veranstaltungen (z.B. Wasserflaschen für Rennen), personalisierte Artikel und Kosmetikbehälter. Außerdem eignet sich das Verfahren für den Druck auf unterschiedlichsten Materialien wie Glas, beschichteten Metallen, Edelstahl, unterschiedlichsten Kunststoffen sowie Paraffinwachs (Kerzen).

Glasobjekte werden immer beliebter. Um erfolgreiche Ergebnisse sicherzustellen, müssen Gegenstände aus Glas zunächst einer Flammbehandlung unterzogen werden, um die Oberfläche von Verunreinigungen und einer eventuell vorhandenen Beschichtung/Vergütung zu befreien. Anschließend wird ein Primer aufgetragen, damit die Tinten ordentlich haften. Magicoat von Inkcups ist ein für diesen Zweck hervorragend geeigneter Glas-Primer. Weitere DTO-bedruckte zylindrische Artikel, die im Trend liegen, sind Trinkflaschen aus hartem Kunststoff (Tritan™) und Trinkflaschen für Fahrradfahrer – insbesondere stark zusammendrückbare Versionen –, deren Druckbild Hunderte von Gebrauchsvorgängen überstehen muss. Digitaldrucktinten von Inkcups sind sehr haltbar und abriebfest (z. B. bis zu 500 Spülvorgänge bei Gläsern) und entsprechen internationalen ASTM-Standards für die Haftfestigkeit.

Vielfalt bei Farben und Designs

Die Fähigkeit von DTO-Digitaldruckmaschinen, in einem Durchgang vollfarbig zu drucken und zusätzlich Lacke und Spezialfarben aufzutragen, gestattet die Anwendung einer großen Vielfalt von Designtechniken. Dazu gehören:

  • Spiegeldrucke – gedruckte Farbbilder sind auf der Innen- und Außenseite von Glas oder transparentem Kunststoff sichtbar
  • Ton in Ton – festes Material mit matter Oberfläche wird mit einer Farbe oder einem transparenten Lack aufgewertet
  • Buntes Glas – Glas, das farbig so bedruckt wird, dass es noch durchsichtig ist
  • Reliefeffekte, bei denen das gesamte Bild oder Teile davon in mehreren Schichten aufgetragen werden, damit das Druckmotiv für den Nutzer haptisch fühlbar ist
  • Druckbilder, mit denen Frost- oder Ätzeffekte simuliert werden

Beim Bedrucken der kompletten Mantelfläche eines zylindrischen Objekts kommt es auch auf nahtlose Grenzen ohne sichtbare Überlappungen an. Um zusätzliche Flexibilität und eine einfache Dateierstellung zu ermöglichen, sollte die Original-Druckvorlage ohne zusätzliche Bearbeitung oder Verzerrung auf zylindrische und konische Objekte gedruckt werden können, d. h. flache Bilder werden maßstabsgerecht auf eine gebogene Oberfläche gedruckt, wobei Software automatisch die nötigen Anpassungen vornimmt. Die besten am Markt verfügbaren Maschinen erfüllen diese Anforderungen in vollem Umfang.

Der vollfarbige DTO-Digitaldruck ist dank einer geringeren Anzahl von Produktionsschritten ein schnellerer Prozess als der Siebdruck. Mehrfarbige und komplexere Aufträge erfordern kürzere Rüstzeiten, weshalb kleinere Auflagen möglich sind. Das bedeutet, dass Anwender ihren Lagerbestand besser verwalten können, indem sie kleinere Mengen bedarfsorientiert drucken. Außerdem können sie bei zeitkritischen Arbeiten, wie schnell abzuwickelnden Aufträgen im Zusammenhang mit Sportwettkämpfen, Veranstaltungen oder Feierlichkeiten, angemessen reagieren. Dies verkürzt nicht nur Produkt-Fertigungszeiten, sondern reduziert auch in erheblichem Umfang Lagerhaltungskosten und Ausschussquoten.

Worauf es ankommt

Bei der Suche nach einer DTO-Digitaldrucklösung für zylindrische Anwendungen sollten die Arten und Materialien der zu bedruckenden Objekte sowie die Palette der Farben und Designtechniken, die Anwender nutzen wollen, berücksichtigt werden. Nicht alle Vorbehandlungsmethoden und Tinten sind gleich, weshalb deren Qualität und Haltbarkeit auf verschiedenen Gegenständen untersucht und abgeklärt werden sollte. In dieser Hinsicht ist es immer eine gute Idee, nach Testmustern zu fragen. Der Lieferant einer DTO-Digitaldrucklösung sollte die spezifischen Markterfordernisse des interessierten Anwenders kennen und Testmöglichkeiten, Anwendungsanleitung, direkte Vertriebsunterstützung sowie fachlich kompetente technische Beratung bieten.

Wer diese Gesichtspunkte beachtet und mit dem richtigen Partner für Hardware, Verbrauchsmaterialien und Service zusammenarbeitet, wird sich attraktive und rentable neue Geschäftschancen im DTO-Druck erschließen können.

Benjamin (Ben) Adner ist Gründer und CEO von Inkcups (www.inkcups.com), einem weltweit aktiven Hersteller und Lieferanten von Inkjet-Drucksystemen, Vorbehandlungsanlagen, Tampondruckmaschinen, Klischee-Lasergravursystemen, Tinten und  entsprechendem Zubehör.

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