DRUCKSPIEGEL-BLOG


von Stefan Breitenfeld

28.01.2020

Circular Economy, Verpackungsdruck, Reinigungstechnik, VDMA

„Die Circular Economy zählt zu unserem Kerngeschäft“

Die D.W. Renzmann Apparatebau GmbH entwickelt, baut und vertreibt seit über 50 Jahren Industrie-Waschmaschinen und Lösemittel-Destillieranlagen vor allem für die Druck-, Lack- und Farbenindustrie. Im VDMA-Interview spricht Geschäftsführer Michael Schneiss über Circular Economy, globale Wachstumsmärkte und das weltweit steigende Umweltbewusstsein.

Herr Schneiss, können Sie D.W. Renzmann kurz vorstellen?

Michael Schneiss: Gerne. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern und 16 Millionen Euro Umsatz. Letztes Jahr haben wir unser  50-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Wir entwickeln, bauen und vertreiben Industrie-Waschmaschinen und Destillieranlagen, die vor allem in der Druckindustrie sowie bei Lack- und Farbherstellern zum Einsatz kommen. In der Regel passen wir sie in Kooperation mit unseren Kunden an deren individuelle Anforderungen an.

Wie entwickelt sich die Nachfrage in Ihren Zielmärkten?

Schneiss: Historisch betrachtet blicken wir auf zwei Wachstumsphasen zurück. Nach steilem Wachstum bis 1990 folgte eine ruhige Phase. Seit 2005 treiben wir die Internationalisierung voran und haben uns gerade im Bereich Destilliertechnik weiterentwickelt. Sie macht heute über die Hälfte unserer Umsätze aus.

Wie sieht es im Druckbereich aus?

Schneiss: Hier geht es vor allem um den Verpackungsdruck. Nach Anfängen im Illustrations- und Zeitungsdruck hat sich unser Fokus in Richtung des Flexo- und Tiefdrucks auf Folien und Verpackungen verlagert. Das liegt daran, dass es hier mehr zu reinigen gibt – und dass dieser Markt gerade im Raum Asia Pacific und in Südamerika sehr gute Wachstumsaussichten bietet. Auch in Europa und den USA registrieren wir eine stabile Nachfrage.

Wie beeinflusst die wachsende Vielfalt an Tinten, Lacken, Substraten und Druckverfahren die Anforderungen an Ihre Reinigungstechnik?

Schneiss: Die Herausforderung, geeignete Waschverfahren mit dem richtigen Reinigungsmedium zu kombinieren, wird komplexer. Genau dafür bieten wir sehr spezifisches Knowhow: In der Regel nutzen wir Spritzwaschverfahren, die wir je nach eingesetzter Farbe oder Lack mit konventionellen Lösemitteln, alternativen geringflüchtigen Lösemitteln oder wässrig-alkalischen Medien kombinieren. Mit unseren Lösungen beseitigen wir auch problematische Verunreinigungen, etwa durch UV-härtende Lacke, restlos.

Ist bei Ihnen Circular Economy, also Kreislaufwirtschaft, bereits Realität?

Schneiss: Sie gehört zu unserem Kerngeschäft. Bei den Reinigungsprozessen mit Lösemitteln liegen die Rückgewinnungsraten bei 95% und darüber. Zudem sind unsere Destillieranlagen so flexibel ausgelegt, dass Kunden zum Beheizen jeweils ihre wirtschaftlichste Energiequelle nutzen können. Heute setzen immer mehr Kunden, die wässrig-alkalische Reiniger nutzen, Destilliertechnik ein. Sie können das eingesetzte Reinigungs- und Spülwasser im Kreislauf führen, so auf Dauer beträchtliche Betriebskosten einsparen und die Umwelt entlasten.

D.W. Renzmann agiert global. Spüren Sie auf Kundenseite ein wachsendes Bewusstsein für Umwelt-, Gesundheitsschutz und Ressourcenschonung?

Schneiss: Absolut. Auch in China, Südostasien und Südamerika stellen wir eine deutlich steigende Bereitschaft fest, in professionelle Reinigungsmaschinen mit effektiver Abwasseraufbereitung auf neuestem technischem Stand zu investieren.

Welche Rolle spielt Ihr Technikum bei der Beratung Ihrer Kunden?

Schneiss: Unser Technikum ist gegenüber unseren Marktbegleitern ein überaus hilfreiches Alleinstellungsmerkmal. Wir entwickeln Individuallösungen, die in intensiven Beratungsprozessen mit unseren Kunden entstehen: Kapazität, Waschverfahren und Reinigungsmedium werden an den spezifischen Bedarf und die räumlichen und logistischen Gegebenheiten beim Kunden angepasst. Das Technikum ist das Rückgrat solcher Beratungsprozesse. Die Maschinen dort sind so universell ausgelegt, dass wir zwischen Waschverfahren und Waschmedien hin- und herwechseln – und zu einer getesteten, dokumentierten Optimallösung kommen können.

Letzte Frage: Wie stellen Sie sich D.W. Renzmann im Jahr 2030 vor?

Schneiss: Wir sind personell wegen unserer Altersstruktur ohnehin im Wandel und werden 2030 ein höher qualifiziertes, noch internationaleres Team haben. Neben der Druck-, Farb- und Lackindustrie werden wir unsere Zielmärkte weiter diversifizieren, um unseren Erfahrungsschatz und unser Knowhow kontinuierlich auszuweiten sowie die Stabilität unseres Unternehmens weiter zu erhöhen.

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