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Ecoprint ruft zu branchenweiter Debatte über Nachhaltigkeitsstandards auf


Europas Druckdienstleister sind besorgt, dass Unsicherheit über Standards für nachhaltigen Druck die Vermittlung ihrer Umweltbotschaft an Auftraggeber erschweren könnte. Dies ergab eine Studie, die heute von der Ecoprint 2012, der Fachmesse für nachhaltigen Druck, veröffentlicht wurde.


"Drucken, Standards für Nachhaltigkeit und Kommunikation", so der Titel der Studie von Print & Media Certification Ltd. (PMC), beruht auf einer Befragung europäischer Druckdienstleister. Gerade einmal 7,3 Prozent äußerten die Ansicht, die Botschaft vom nachhaltigen Druck werde derzeit wirksam vermittelt. Insbesondere kleinere Druckdienstleister, so ein weiterer Befund, schrecken aufgrund der vermeintlich hohen Kosten einer Standardisierung nicht selten vor ersten Schritten in Richtung Nachhaltigkeit zurück. Hinzu kommt, dass oft nur schwer zu bestimmen ist, was für Nachhaltigkeit spricht und wie man am besten vorgeht, um diese - zumindest scheinbar - hohe Messlatte zu erreichen.

Die wichtigste nunmehr anstehende Aufgabe sieht die Studie in der Entwicklung einfacher, effektiver Verfahren, um Drucksacheneinkäufern die Nachhaltigkeit des gesamten Druckprozesses zu vermitteln. Einleuchtende Standards, die den gesamten Werdegang der Drucksachen erfassen und die Nachhaltigkeit sämtlicher Akteure – von Einsteigern bis zu Vorreitern – ins rechte Licht rücken, bieten sich als Ausgangspunkt an. Dazu Marcus Timson, Geschäftsführer der Ecoprint: "Immer mehr erweist sich Unklarheit über den Begriff der Nachhaltigkeit als Hemmschuh für die Druckbranche. Wenn unsere Branche auch künftig im Rennen bleiben soll, müssen wir eine transparente, offene Debatte einleiten – eine Bestandsaufnahme über Stärken, aber auch Bereiche, an denen wir noch arbeiten müssen. Die Klärung dieser Fragen innerhalb der Branche wird uns die Ansprache unserer Zielgruppen erleichtern."

Angemeldete Besucher der Ecoprint 2012, die am 26. und 27. September in Berlin stattfindet, können "Drucken, Standards für Nachhaltigkeit und Kommunikation" kostenlos herunterladen. Ebenfalls Teil der Studie sind drei bisher unveröffentlichte Erfahrungsberichte: von Erler+Pless, einem Hamburger Druckdienstleister mit Umweltzertifizierung, vom Entwickler und Inhaber des Nachhaltigkeitsstandards Popai (Großbritannien und Irland) sowie von Addison Design, einer britischen Designagentur, die sich um nachhaltigen Druck verdient macht.

Gesponsert wurde die Studie von der Firma INX Digital. "Die Erhebung hat einige hochinteressante Erkenntnisse geliefert", so Firmenchef (President) Ken Kisner. "Unser Gefühl, dass Unklarheit über den Begriff des nachhaltigen Drucks für die allgemeine Zurückhaltung der Branche mitverantwortlich ist, hat sich erhärtet. Der vielleicht wichtigste Beitrag der Ecoprint könnte nun darin bestehen, die nötige Debatte zwischen den Meinungsführern der Branche in Gang zu bringen – eine Debatte, der sich letztlich wohl kaum jemand wird entziehen können."

In der Studie werden die Umfrageergebnisse detailliert ausgeführt. Einige Streiflichter:

 

  • Die drei nützlichsten Standards für Druckdienstleister auf dem Weg zu größerer Nachhaltigkeit sind nach Meinung der Befragten ISO 14001 (56 Prozent), FSC/PEFC (49,2 Prozent) und die CO2-Bilanz (32,6 Prozent).
  • Die Frage, ob ein neuer Standard zu begrüßen wäre, mit dem Auftraggeber besser über die Nachhaltigkeit des Druckprozesses informiert werden könnten, bejahten 45,2 Prozent. 36,3 Prozent waren sich nicht sicher, und nur 18,5 Prozent antworteten mit Nein.
  • 50,4 Prozent der Befragten gaben an, nach einem Umweltstandard zertifiziert zu sein. Als Gründe für eine fehlende Zertifizierung wurden genannt: hoher Zeit- und Kostenaufwand (40,5 Prozent), keine Notwendigkeit, da die Kunden keine Zertifizierung erwarten (31 Prozent), und überhaupt keine Notwendigkeit (27 Prozent).


Jon Stack, Autor der Studie sowie Leiter und Gründer von PMC, kommentierte: "Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Botschaft vom nachhaltigen Druck derzeit noch nicht ankommt – weder bei den Auftraggebern noch bei den Endverbrauchern, die Printprodukte neben anderen Medien nutzen. Gründe dafür sind nicht nur die Vielzahl und Vielfalt der Standards, sondern auch der Umstand, dass zahlreiche kleinere Druckdienstleister, die insgesamt einen Großteil der Branche bilden, aufgrund befürchteter Kosten und Mühen vor einer Änderung ihrer Abläufe zurückschrecken. Die Herausforderung für die Entwickler von Standards, Firmen, die sie bereits umsetzen, und die Branche als Ganzes wird nun darin bestehen, die gute Nachricht von der Nachhaltigkeit des Mediums Print unter den Auftraggebern und Verbrauchern zu verbreiten – einprägsam, effektiv und unter Berücksichtigung des gesamten Druckprozesses."
 
Die Studie "Drucken, Standards für Nachhaltigkeit und Kommunikation" kann nach Registrierung auf der Ecoprint-Website (www.ecoprintshow.com/for-visitors) heruntergeladen werden.

atz / 29.05.2012