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(10.07.2026 / sbr)

Googles UCP für Print: Printing United Alliance und Ghent Workgroup treten der Initiative bei

Immer mehr Organisationen stellen sich hinter die Entwicklung eines eigenen Print-Verticals für das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google, den kommenden Standard im KI-gestützten Handel. Mit der nordamerikanischen Printing United Alliance und der internationalen Ghent Workgroup schließen sich nun zwei weitere bedeutende Organisationen der von IOP, BVDM und Intergraf getragenen Initiative an – nach zuletzt dpsuisse (Schweiz), VIGC (Belgien) und der Standardisierungsorganisation CIP4. Aus dem europäischen Vorstoß wird so ein weltweites Engagement, das die Interessen der Druckindustrie im Agentic Commerce verankern soll – und den Grundstein für Agentic Print legt.

Die Initiative, einen printspezifischen Branchenstandard für UCP zu entwickeln, wurde im Mai dieses Jahres von der Initiative Online Print (IOP), dem Bundesverband Druck und Medien (BVDM) und der Intergraf, dem europäischen Dachverband der nationalen Druckverbände, ins Leben gerufen. Bereits im Juni schlossen sich drei weitere Organisationen an: dpsuisse, der Schweizer Verband der Print- und Medienindustrie, das unabhängige Flämische Innovationszentrum für grafische Kommunikation VIGC sowie CIP4, die internationale Standardisierungsorganisation hinter den Druckworkflow-Standards JDF und XJDF.

Mit dem Beitritt der Printing United Alliance und der Ghent Workgroup entsteht nach Aussage des IOP-Vorstandsvorsitzenden und Initiators des UCP-Print-Dev-Projektes, Bernd Zipper, nun die bisher größte Brancheninitiative der internationalen Druckindustrie.

Zwei Schwergewichte verstärken die Initiative

Die Printing United Alliance ist der mitgliederstärkste Verband für Druck und grafische Industrie in Nordamerika und zählt zu den führenden Branchenverbänden des Kontinents. Seit mehr als 70 Jahren vertritt er die Interessen der ansässigen Druckereien, richtet mit der Printing United Expo eine der größten Fachmessen der Branche aus und unterstützt seine Mitglieder mit Fachwissen, Schulungen und Weiterbildungen.

Dieses Gewicht bringt der Verband nun auch in die UCP-Initiative ein – mit einer klaren Begründung: Er sieht in UCP einen strategischen Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche zu sichern.

„Die Art und Weise, wie Druck künftig gefunden, bestellt und abgewickelt wird, entwickelt sich zu einer der entscheidenden Fragen für unsere Branche; und das ist nicht nur eine technische, sondern eine industriepolitische Angelegenheit“, sagt Ford Bowers, der seit 2016 als CEO der Printing United Alliance – und ihrer Vorgängerorganisation SGIA – tätig ist und die Fusion der SGIA mit der Printing Industries of America sowie die Übernahme von Idealliance leitete, wodurch Nordamerikas größter Branchenverband für Druck und Grafik entstanden ist. „Eine offene, faire und gut geregelte Commerce-Ebene liegt im direkten Interesse eines jeden Druckunternehmens, das wir vertreten. Wir bringen die Perspektive des nord-amerikanischen Marktes ein, verbinden UCP mit einem breiteren transatlantischen Publikum und sorgen dafür, dass die kommerziellen und politischen Folgen die nötige Aufmerksamkeit bekommen.“

Die Ghent Workgroup (GWG) ist ein Key Player in der Standardisierung der PDF-basierten Druckproduktion: Ihre Spezifikationen und die „Ghent PDF Output Suite“ gelten international als Maßstab in der Druckvorstufe, zu ihren Mitgliedern zählen führende Hardware- und Softwareunternehmen, Druck- und Verpackungsunter-nehmen sowie internationale Bildungseinrichtungen.

Damit trifft die GWG einen Kern des geplanten Print-Verticals zu Googles UCP, denn die automatisierte Prüfung druckfertiger Daten ist eine der zentralen Anforderungen, die das Universal Commerce Protocol bislang nicht abbildet.

„Wir freuen uns, Teil der dev.ucp.print-Initiative zu werden. Zusammen mit den an-deren Mitgliedern wollen wir der weltweiten Druck- und Verpackungsbranche eine gemeinsame Stimme geben, damit unsere Industrien und ihr Know-how bei der künftigen Entwicklung KI-gestützter Gestaltungs- und Beschaffungsprozesse vertreten sind“, erklärt David Zwang, der bereits seit 2008 der GWG vorsteht. In den mehr als 40 Jahren, in denen er die Entwicklung der Industrie als Branchenberater begleitet, hat er sich auch als Fachredakteur, unter anderem für das News-Portal WhatTheyThink einen Namen gemacht.

Worum es bei UCP geht

Im Januar 2026 hatte Google auf der National Retail Federation Conference in New York das Universal Commerce Protocol (UCP) vorgestellt, einen offenen Standard, über den KI-Agenten im Auftrag von Verbraucherinnen und Verbrauchern einkaufen können, ohne eine Händler-Website zu öffnen. UCP ist auf den klassischen Einzelhandel mit festen Artikeln und Preisen zugeschnitten. Druckprodukte funktionieren anders: Sie werden individuell konfiguriert, benötigen den Upload druckfertiger Daten, durchlaufen Preflight-Prüfungen und Freigaben und entstehen in dynamisch geplanten Produktionsläufen. Diese Besonderheiten bildet die aktuelle Spezifikation nicht ab.

Aus diesem Grunde soll das Print-Vertical „dev.ucp.print“ entwickelt und über einen formalen Enhancement Proposal in den UCP-Standard eingebracht werden. Dabei ist der adressierte Markt beträchtlich: Die europäische Druckindustrie umfasst nach Angaben von Intergraf rund 110.000 Unternehmen mit etwa 550.000 Beschäftigten. In Nordamerika, dominiert durch die drei Kernländer USA, Kanada und Mexiko, sind es Erhebungen von IBISWorld, Credence Research und Grand View Research sowie Revenue Memo zufolge knapp 60.000 Unternehmen mit rund460.000 Beschäftigten.

Warum breite Rückendeckung jetzt zählt

Für das gemeinsame UCP-Projekt ist die wachsende internationale Unterstützung mehr als ein symbolischer Schulterschluss. UCP ist ein quelloffener, gemeinschaftlich verwalteter Standard, der ausdrücklich zu Beiträgen aus einzelnen Branchen einlädt. In Europa ist er noch nicht gestartet. Aber wer die spezifischen Anforderungen seiner Branche früh einbringt, prägt, wie konfigurierbare, auftragsbezogene Produkte im Protokoll abgebildet werden. Je breiter und globaler die Druckindustrie dabei auftritt, desto größer ist auch ihr Gewicht, gerade mit Blick auf die für das vierte Quartal 2026 geplante Einreichung eines Enhancement Proposals.

Wie Bernd Zipper erklärt, habe bislang keine Industrie außerhalb des klassischen Einzelhandels ein eigenes UCP-Vertical vorgeschlagen. „Mit der Printing United Alliance und der Ghent Workgroup haben wir strategisch wichtige Partner gewinnen können“, erklärt der Initiator der dev.ucp.print-Initiative. „Durch das Projekt und die internationale Unterstützung geben wir der Druckindustrie die Chance, in der Welt des KI-gestützten Commerces eine Rolle zu spielen und ihn sogar mitzugestalten. Zudem ist das UCP-Print-Vertical der erste Schritt hin zu ‚Agentic Print‘, der nächsten Evolutionsstufe des Drucks, in dem KI-Agenten eigenständig Druckprodukte recherchieren, konfigurieren, beauftragen und bezahlen. Für Druckdienstleister heißt das, sie müssen ihre Angebote so aufbereiten, dass sie von KI-Agenten gefunden, verstanden und verarbeitet werden können. Mit einem branchenspezifischen Vertical für Googles UCP geben wir Druckereien das dafür notwendige Werkzeug an die Hand.“