Mit steigenden Kosten für Investitionen in zukunftssichere Lagerhaltung und Auftragsabwicklung, für Personal und Transporte belastet die Logistik die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Kostensenkungen erfordern Optimierungen. Doch vor dem Hintergrund geopolitischer Verwerfungen und Unsicherheit über die technologischen Entwicklungen herrscht oft Investitionszurückhaltung bei der Intralogistik. „Gleichwohl sind Automatisierung und digitale Transformation gefordert, um im (internationalen) Wettbewerb zu bestehen“, urteilt LogiMAT-Messeleiter Michael Ruchty vom Münchener Veranstalter EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH.
„Vor diesem Hintergrund prägen Aussteller der LogiMAT 2026 mit kostendämpfenden Ein- und Umstiegslösungen für effiziente, automatisierte Intralogistik über die klassischen Miet- und Leasingangebote hinaus offenbar einen neuen Trend.“
Miet- und Leasingmodelle sind bei Hardware-Komponenten für die Intralogistik grundsätzlich nichts Außergewöhnliches. Alle Flurförderzeugehersteller etwa stellen größere Mietparks und bieten ihren Kunden die Geräte auch mit unterschiedlichen Leasingmodellen an. Das gilt aktuell inzwischen ähnlich für Lagergeräte und Lagersysteme. So bietet etwa Cascade Italia S.R.L. (Halle 10, Stand 10B54) Mietlösungen und generalüberholte Alternativen von Anbaugeräten, Gabelzinken, Masten und verwandten Technologien für Gabelstapler und AGVs. Die AVV Arbeitsbühnen und Vertriebs GmbH (Halle 5, Stand 5A53) verweist in Stuttgart im Bereich Höhenzugangstechnik auf einen eigenen Mietpark von mehr als 200 modernen Arbeitsbühnen. Mit „Herbie“ stellt die Carrybots GmbH (Halle 5, Stand 5C75) ein modulares, mobiles Robotersystem für die produktionsnahe Intralogistik vor. Besonderheit: Mit einem Einstiegspreis ab 10.900 Euro und Preismodellen auch für Leasing oder Miete der mobilen Roboter will Carrybots ausdrücklich die Einstiegshürde in die Automatisierung senken.
Vorkonfigurierte Softwaresysteme und Pay-per-Use-Modelle
Neben solchen Angeboten für Mietlösungen, gebrauchten Geräten und Systemen aus zweiter Hand ist auf der LogiMAT eine Vielzahl von Angeboten zu finden, die die Investitionskosten für Anschaffung und digitale Transformation senken sollen. Aussteller in der Software-Halle 4 etwa, stellen rund um ihre Cloud-Lösungen beispielsweise mit Betriebs- und Abrechnungsmodellen nach Nutzungsvolumen und der Bereitstellung von ITK-Infrastruktur auf Leihbasis günstige Einstiegsoptionen und skalierbare Mietmodelle für Lagerverwaltung und -steuerung vor. So kommt beispielsweise die GOD BM GmbH (Halle 2/Stand 2C05) mit einem modularen, webbasierten Warehouse-Management-System nach Stuttgart, das bedarfsgerechte Nutzung mit einem Pay-per-Use-Modell abrechnet. Andere Softwarehäuser wie beispielsweise die CIM GmbH (Halle 4, Stand 4D10) bieten abgespeckte, vorkonfigurierte Versionen ihrer Softwaresysteme mit definierten, standardisierten Funktionsumfang, die sich schnell implementieren und nutzen lassen.
Überdies gewinnt mit der Entwicklung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) das Thema Maintenance an Tragkraft. Pflege und Instandhaltung von Anlagentechnik und -verfügbarkeit durch Software für KI-basierte sowie vorausschauende Wartung steigern die Transparenz, Lebensdauer und Investitionssicherheit. Anhand praxisnaher Szenarien demonstriert auf der LogiMAT unter anderem die IMAGO Technologies GmbH (Halle 2, Stand 2A30) wie KI-basierte Vision-Lösungen Abweichungen frühzeitig erkennen – noch bevor sie zu Stillständen oder Qualitätsproblemen führen. Die Kombination aus kontinuierlicher Bildaufnahme und intelligenter Analyse ermöglicht eine vorausschauende Bewertung von Prozessen und unterstützt Instandhaltung, Optimierung und Ursachenanalyse. Mit der modularen Softwarefamilie LIOS verfolgt die LTW Intralogistics GmbH (Halle 1, Stand 1B37) ein Servicekonzept über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen. Das reicht von globalem Support über Predictive-Maintenance-Tools bis hin zu umfassenden Retrofit-Programmen, die bestehende Systeme technologisch auf den neuesten Stand bringen und deren Lebensdauer nachhaltig verlängern. Die BEUMER Group GmbH & Co. KG (Halle 5, Stand 5C51) unterstützt mit einem Customer Diagnostic Center (CDC) die kontinuierliche Optimierung und vorausschauende Wartung von Anlagen. Entsprechende Diagnosemodelle überwachen kontinuierlich den Betriebszustand und weisen frühzeitig auf mögliche Probleme hin.
Modernes Anlagenmanagement mit Smart Maintenance
Wie Anlagenbetreiber welche Maintenance-Tools optimal einsetzen, erläutert Jens Reissenweber, Vorstandmitglied, FVI e.V., im Rahmenprogramm der LogiMAT in dem Expert Forum „Über den Tellerrand gucken: was Intralogistik und modernes Anlagenmanagement verbindet“ (24. März, Arena Atrium, 15:00 Uhr). Zudem wird in diesem Jahr erstmals die neue „Smart Maintenance Lounge“ (Halle 4, Stand 4H01) eröffnet. Von namhaften Experten erhalten Entscheider dort einen kompakten Überblick über Trends und Lösungen zur intelligenten Instandhaltung etwa mit autonome Inspektionsrobotern, durch Fernwartung sowie Software für Smart Maintenance und digitale Zwillinge. Experten von Anwender- und Anbieterseite diskutieren, in welchen Einsatzbereichen sich Intralogistik und Smart Maintenance unterstützen und ergänzen können.
Am 26. Juni 2025 wurde im Bundestag der sogenannte Investitionsbooster verabschiedet. Danach gilt für Investitionen, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 01. Januar 2028 getätigt werden, eine degressive Abschreibung für Abnutzung (AfA) von bis zu 30 Prozent bereits im Jahr der Anschaffung. Auch Intralogistiklösungen wie unter anderem Elektro-Gabelstapler oder Lagertechnikgeräte, Fahrerlose Transportsysteme (FTS/AGV), Schlepper, Anhänger und Routenzüge sowie Regaltechnik und Automatisierungslösungen lassen sich damit wieder degressiv abschreiben. Überdies fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beim Umstieg auf oder dem Erwerb von energieeffizienten E-Staplern die Investitionen mit bis zu 33 Prozent der Kosten. Um den dazu notwendigen bürokratischen Aufwand der Unternehmen zu lindern, haben einige Staplerhersteller für Kunden ein spezielles Service-Angebot aufgelegt. So bietet beispielsweise Mitsubishi Forklift Trucks Logisnext Germany GmbH (Halle 10, Stand 10F20) Unterstützung bei der Nutzung von Vorteilen des Investitionsboosters. Toyota Material Handling Deutschland GmbH (Halle 10, Stand 10G41) bewirbt offensiv ein Komplettangebot, das von der Bedarfsermittlung über die Lösungsauswahl für das Boosterpaket bis hin zum Fördermittel-Check und der Antragsabwicklung mit der BAFA reicht. Modelle, die Sparpotenziale auch im Bereich der Anlagen- und Automatisierungstechnik bieten.
„Automation as a Service“
Für die Wahl einer optimalen, zukunftsfähigen Intralogistikausstattung gelten die Flexibilität und Skalierbarkeit von Systemen und Anlagen als wichtiges Entscheidungskriterium. Moderne Lösungen unterstützen dies: Shuttle-Läger können modular erweitert werden, Fahrzeugflotten Autonomer Mobiler Roboter (AMR) und Fahrerloser Transportfahrzeuge (FTF) ersetzen starre Fördertechnik, bewegen Waren autonom durch das Lager und können flexibel aufgestockt werden. Roboter mit Sensorik und Bilderfassung übernehmen Greif- und Kommissionierungsaufgaben. All diese Lösungen sind durchgängig skalierbar. Bei größeren Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekten gewährleisten dies Best-of-Breed-Lösungen. Unter der ursprünglich im IT-Bereich genutzten Bezeichnung lassen sich Gesamtlösungen in kleinschrittigem Vorgehen und herstellerunabhängig aus einzeln leistungsstarken Systemen zusammenstellen. Auf diese Weise lässt sich die Intralogistik flexibel an Geschäfts- und Technologieentwicklungen anpassen. Einzelne Systeme und Komponenten können bei Bedarf komfortabel ausgetauscht werden. Vielfach lässt sich dabei die Kompatibilität der Systeme und Komponenten mit Mietangeboten der Hersteller vorab intensiv testen. So präsentiert die Inther Group (Halle 5, Stand 5D33) auf der LogiMAT das integrierte Stand-alone Mess- und Wiegesystem Cubiscan 325 zur vollautomatischen Stammdatenerfassung von Artikeln und Objekten. Die Cubiscan-Systeme werden über eine Datenschnittstelle direkt mit Lagerverwaltungssystemen (WMS) oder Datenbanksystemen verbunden und sind auch zur Miete und zum Leasing verfügbar.
Ein angesichts der Produktgruppe gänzlich ungewöhnliches Mietangebot lanciert Element Logic Germany GmbH (Halle1 Stand 1H21) auf der LogiMAT 2026: „Automation as a Service“ (AaaS). Mit dem neuartigen, abonnementbasierten Automatisierungsmodell das Unternehmen AutoStore-Leistungen ohne Vorabinvestitionen oder Betriebsaufwand. Das Mietmodell vereint AutoStore-Hardware und Software mit After-Sales-Services und Support zu einem flexiblen Leistungspaket mit einer planbaren monatlichen Abrechnung, die sich an Leistungskennzahlen wie Durchsatz und Lagerkapazität orientiert. Integriert in das Modell sind Bedarfsanalyse und Anlagendesign, Installation und Integration der AutoStore-Lösung in die vorhandenen Prozesse, Echtzeit-Monitoring und proaktiver Support. Softwarelösungen aus der Element Logic Warehouse Suite sollen für koordinierte Prozesse und Anbindung der Hardware an bestehende Softwaresysteme sorgen.
„Die genannten Beispiele unterstreichen die Position der LogiMAT als Trendbarometer und Plattform für Innovationen“, resümiert LogiMAT-Messeleiter Michael Ruchty. „Sie belegen überdies die Aktualität unseres diesjährigen Messemottos 'Passion for details – Discover the Difference‘. Es sind, wie bei den aufgezeigten Ein- und Umstiegslösungen, oft nur die kleinen Unterschiede, die neue Wege aufzeigen und erfolgreiche Veränderungen prägen. Damit prägen die Aussteller auf der LogiMAT 2026 einen neuen Trend, mit dem notwendige Investitionen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten realisierbar sind.
Abbildung: Nicolas Maack