Welche Möglichkeiten die additive Fertigung für kleine und mittlere Unternehmen bietet, steht im Mittelpunkt eines Seminars am 7. Oktober 2026 in Potsdam. Expertinnen und Experten des Verbands 3DDruck e. V. sowie des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP vermitteln praxisnahe Orientierung zu realistischen Einsatzfeldern des 3D-Drucks und unterstützen Führungskräfte dabei, die Chancen und Risiken der additiven Fertigung für ihr Geschäftsmodell einzuordnen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Materialien mit Formgedächtnis, die im 4D-Druck verarbeitet werden. Ausgelöst durch Reize wie Wärme verändern sie gezielt ihre Form und ermöglichen selbstanpassende Komponenten.
Digitale Lieferketten, flexible Produktion und innovative Produkte: Die additive Fertigung entwickelt sich von einer Prototypentechnologie zu einem Werkzeug für digitale Wertschöpfung, resiliente Lieferketten und neue Geschäftsmodelle. Doch wo lohnt sich der Einstieg? Welche Anwendungen schaffen echten Mehrwert? Und welche Risiken entstehen, wenn Wettbewerber schneller handeln?
3D-Druck als strategischer Hebel für die digitale Transformation
Wie Unternehmen den 3D-Druck gezielt für die digitale Transformation nutzen können, beleuchtet Ralf Anderhofstadt, Vorsitzender des Vorstands im Verband 3DDruck e. V. und Leiter des Center of Competence Additive Manufacturing bei Daimler Truck. Im Fokus seines Vortrags steht die Digitalisierung von Ersatzteilen. Dadurch lassen sich Lieferfähigkeit und Nachhaltigkeit steigern, Kosten senken und neue Wertschöpfungsmodelle erschließen. 3D-Druck ist dabei integraler Bestandteil einer digitalen End-to-End-Wertschöpfung und eng verknüpft mit Technologien wie Digitalen Zwillingen, Robotik, Blockchain, Virtual Reality und Digital Rights Management (DRM). Anderhofstadt gibt Einblicke in den Aufbau eines unternehmensweiten Kompetenzzentrums für additive Fertigung und zeigt, wie sich durch die Digitalisierung von Ersatzteilen neue Wertschöpfungspotenziale erschließen lassen.
Intellectual Property und 3D-Druck: Wie schützen Unternehmen ihr geistiges Eigentum?
Dr. Markus Wiedemann, Vorstandsmitglied im Verband 3DDruck e. V. und Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, beleuchtet die strategischen Möglichkeiten zum Schutz geistigen Eigentums: Wie schützen Unternehmen eigene Entwicklungen in einer Welt, in der sich STL-Dateien mit Konstruktionsdaten für den 3D-Druck binnen Sekunden vervielfältigen und weltweit verbreiten lassen? Der Vortrag vermittelt Führungskräften das notwendige Grundverständnis, um die IP-Dimension des 3D-Drucks strategisch zu erfassen, und zeigt auf, welche Weichen Unternehmen bereits heute stellen sollten, bevor technologische Vorsprünge von Wettbewerbern kopiert werden.
Welche Rolle spielen intelligente Materialien im 3D- und 4D-Druck?
Zusätzliches Innovationspotenzial entfaltet die additive Fertigung, wenn Funktionen direkt in Materialien und Bauteile integriert werden können. Ansatzpunkte dafür liefern intelligente Materialien. Wie sich Funktionsintegration konkret umsetzen lässt, zeigt Dr. Thorsten Pretsch, Leiter des Forschungsbereichs Funktionale Polymersysteme am Fraunhofer IAP, anhand aktueller Forschungsarbeiten zum 4D-Druck und zu funktionalen Materialien. Er gibt Einblicke in die Welt der Formgedächtnispolymere, die auf äußere Reize wie Wärme reagieren und dadurch gezielt ihre Form verändern. Solche Materialien eröffnen Perspektiven für bewegliche, anpassungsfähige oder selbstaktive Komponenten. Am Fraunhofer IAP entwickelt das Team um Dr. Pretsch Filamente und Schäume für den 3D- und 4D-Druck und erschließt neue technologische Anwendungen, unter anderem für den Einsatz im Weltraum.
Gebündelte Fraunhofer-Kompetenz für die additive Fertigung
Einen weiteren Einblick bietet das Fraunhofer-Kompetenzfeld Additive Fertigung. Das Netzwerk vereint deutschlandweit 19 Fraunhofer-Institute und deckt die gesamte Prozesskette der additiven Fertigung ab – von Materialien und Technologien über Software und Simulation bis hin zu Qualitätssicherung und industrieller Umsetzung. Für Unternehmen bietet das Kompetenzfeld einen zentralen Zugang zu anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung.
Strategische Orientierung und Austausch für Unternehmen
Das Fraunhofer-Leistungszentrum »Integration biologischer und physikalisch-chemischer Materialfunktionen« und der Verband 3DDruck e. V. laden Entscheiderinnen und Entscheider aus Unternehmen am 7. Oktober 2026 dazu ein, gemeinsam mit Fachleuten aus Industrie, Forschung und Recht über die Chancen, Risiken und strategischen Handlungsoptionen der additiven Fertigung zu diskutieren. Die Veranstaltung findet von 08:30 bis 16:00 Uhr im Fraunhofer-Konferenzzentrum im Potsdam Science Park statt. Fachvorträge, Dialogformate und Networking-Angebote bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Fragestellungen mit Expertinnen und Experten zu erörtern sowie konkrete Entwicklungs- und Kooperationspotenziale auszuloten. Interessenten können sich bis zum 15. September 2026 anmelden.