NEWS

(16.07.2026 / sbr)

Europäischer Mittelstand wandelt regulatorische Anforderungen in Wettbewerbsvorteile

Der europäische Mittelstand erkennt die Bedeutung regulatorischer Compliance, doch bei der technischen Umsetzung klafft eine deutliche Lücke. Das zeigt der neue Report „Compliance, Vorsprung, Wachstum: Das Playbook für den Mittelstand 2026" von osapiens und dem Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM). Grundlage sind Befragungen von osapiens mit mehr als 700 mittelständischen Unternehmen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien.

Compliance erreicht den Mittelstand über die Wertschöpfungskette

Produkt-Compliance, Lieferkettenpflichten und Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickeln sich laut Report für den europäischen Mittelstand von einzelnen Regulierungsaufgaben zu einer zentralen Managementherausforderung. Denn auch wenn viele mittelständische Unternehmen formal nicht unter Regelungen wie die Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) oder das europäische Lieferkettengesetz (CSDDD) fallen, erreichen sie die Anforderungen zunehmend über ihre Wertschöpfungsketten. Große Kunden, Banken und Investoren fragen belastbare Informationen zu Nachhaltigkeit, Beschaffung und Produkten ab.

„Der Mittelstand hat bewiesen, dass er Krisen meistern kann: durch Kooperation, Innovation und Pragmatismus. Jetzt ist der Moment, diese Stärken digital zu nutzen", sagt Tim Geier, Geschäftsführer des BKM.

Zentrale Ergebnisse des Reports:

  • 87 Prozent der Unternehmen halten Produkt-Compliance für wichtig oder geschäftskritisch, 79 Prozent das Lieferantenrisikomanagement und 77 Prozent die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
  • Nur 24 Prozent setzen heute eine spezialisierte Software für Produkt-Compliance ein, 13 Prozent für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
  • 62 Prozent der mittelständischen Unternehmen veröffentlichen bereits einen Nachhaltigkeitsbericht, weitere 22 Prozent planen dies im nächsten Berichtszyklus.
  • 48 Prozent der Unternehmen hatten in den vergangenen drei Jahren ein lieferantenbezogenes Compliance-Problem.

Umsetzung hinkt hinterher

Entsprechend hat Compliance für die große Mehrheit der Unternehmen Priorität. 62 Prozent der mittelständischen Unternehmen veröffentlichen etwa bereits einen Nachhaltigkeitsbericht, weitere 22 Prozent planen dies im nächsten Berichtszyklus. Den Bereich Produkt-Compliance stufen 87 Prozent der befragten Mittelständler als wichtig oder geschäftskritisch ein.

Die technische Ausstattung hat mit diesem Anspruch jedoch noch nicht Schritt gehalten: Wo sich der Software-Einsatz messen lässt, setzen erst wenige Unternehmen auf spezialisierte Lösungen. Die meisten arbeiten weiterhin manuell, etwa mit Tabellen und fragmentierten Informationsquellen.

Um die Anforderungen effizient zu erfüllen, ist die Datenverarbeitung jedoch kritisch. Anforderungen wie die EUDR, die PPWR und die Nachhaltigkeitsberichterstattung greifen auf überlappende Informationen zurück. „Entscheidend ist jetzt, Daten so aufzubereiten, dass sie nicht für jede neue Anforderung neu gesucht und geprüft werden müssen. Wer Compliance digitalisiert, gewinnt Zeit zurück und schafft die Grundlage für Transparenz, Kundenvertrauen und nachhaltiges Wachstum", sagt Julian Mayer, Head of SME Business Global bei osapiens.

Vier Schritte zur skalierbaren Compliance

Damit der Einstieg gelingt, beschreibt der Report einen pragmatischen Vier-Schritte-Leitfaden:

  1. Erfassen: Unternehmen prüfen, welche regulatorischen Pflichten für sie tatsächlich relevant sind und welche Daten bereits in bestehenden Systemen wie ERP-, Lieferanten- oder Produktdatenbanken vorhanden sind.
  2. Priorisieren: Entscheidend ist, dort zu beginnen, wo der größte Handlungsdruck oder geschäftliche Hebel liegt, etwa bei der EUDR für Unternehmen mit relevanten Rohstoffen oder bei der Produkt-Compliance, wenn Kunden regelmäßig belastbare Produktdaten anfordern.
  3. Automatisieren: Datenflüsse werden systematisch zusammengeführt und wiederkehrende Abfragen standardisiert, sodass Informationen für Prüfungen, Kundenanfragen und Berichte belastbar genutzt werden können, statt manuell in Tabellen zusammengesucht zu werden.
  4. Skalieren. Unternehmen müssen nicht jede Anforderung gleichzeitig lösen, sondern starten mit einem priorisierten Modul und weiten die digitale Compliance-Struktur schrittweise auf weitere Regulierungen aus, etwa von der EUDR über die PPWR bis zum Digitalen Produktpass. So entsteht aus einzelnen Pflichtprojekten eine wiederverwendbare Infrastruktur für künftige Anforderungen.

Der vollständige Report steht hier zum Downlaod bereit.

Über den Report

Der Report „Compliance, Vorsprung, Wachstum: Das Playbook für den Mittelstand 2026" stützt sich auf vier unabhängige Umfragen, die das Marktforschungsunternehmen Dynata im Auftrag von osapiens zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 zu den Bereichen Entwaldung (EUDR), Produkt-Compliance, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Lieferantenrisikomanagement durchgeführt hat. Für die Auswertung wurden europäische mittelständische Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Spanien berücksichtigt, insgesamt mehr als 700 Befragte aus verschiedenen Branchen.