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(12.02.2026 / sbr)

Gesamtwirtschaftliche Schwäche belastet Ergebnisse fast aller Sektoren bei Lacken, Farben und Druckfarben

Auch für das Jahr 2025 kann die deutsche Lack- und Druckfarbenindustrie fast durchweg nur negative Zahlen melden. Dem Trend der (Chemie-) Industrie folgend, musste die Branche einen Rückgang der Verkaufsmenge um 2,8 % auf 1,4 Millionen Tonnen verkraften. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1,2 % auf 5,8 Milliarden Euro, berichtet VdL-Präsident Dr. Harald Borgholte auf der Jahrespressekonferenz des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL).

Die gesamtwirtschaftliche Schwäche belastet demnach die Lack- und Druckfarbenindustrie weiterhin erheblich, und auch für 2026 rechnen die Farbenhersteller mit einer angespannten Marktsituation: Der Verband erwartet weiter schlechte Geschäftszahlen und prognostiziert für den Gesamtmarkt einen Rückgang der Verkaufsmengen um 2 %.

Industrielacke

Der vielfältige Sektor der Industrielacke ist noch immer stark von der Schwäche des verarbeitenden Gewerbes belastet. Die wichtigste Abnehmerbranche im Bereich der Industrielacke war 2025 die Automobilserie mit einem Umsatz von 608 Millionen Euro. Es folgten der Bereich Autoreparaturlacke mit 508 Millionen Euro und der Bereich Metallerzeugnisse mit 385 Millionen Euro. Die Inlandsnachfrage ist hier 2025 um 1,2 % geschrumpft. Ursächlich sind die Rückgänge im Bereich Möbel und Holz (-3,5 %), in der allgemeinen Industrie (-2 %) und bei den Autoreparaturlacken (-5 %). Von einem kleinen Wachstum von 1,5 % konnte Borgholte bei den Autoserienlacken berichten. Ausreißer bleiben die Korrosionsschutzbeschichtungsstoffe (3 %). Jedoch ist dieses inzwischen solide Wachstum zum großen Teil auf staatliche Infrastrukturprojekte in Sachen Energie, Verkehr und Straßenbau zurückzuführen. Für 2026 erwartet der VdL immerhin eine schwarze Null in diesem wichtigen Bereich, einer der wenigen Lichtblicke.

Pulverlacke

Pulverlacke machen etwa 12 % des Gesamtumsatzes der Industrielacke in Deutschland aus. In den letzten vier Jahren fielen die Rückgänge hier stärker aus als bei den Nasslacken. Rund die Hälfte der Pulverlackanwendungen entfiel 2025 auf den Automobilzulieferer- bzw. Transportbereich und auf den Bau. Während die Nachfrage nach Nasslacken 2025 nur um etwa 1 % zurückging, sank die Nachfrage nach Pulverlacken um etwa 5 %.

Bautenfarben

Die verkauften Mengen an Bautenfarben und Putzen sind 2025 mit minus 3,5 % deutlich zurückgegangen. Grund für die negative Entwicklung sind unter anderem der nach wie vor schwache Markt im Wohnungsbau und niedrige Bauinvestitionen. Der Do-It-Yourself-Bereich (DIY) hat 2025 einen Rückgang der Menge um 2 % verzeichnet, während der Profi-Sektor sogar um 4 % zurückgegangen ist. Angesichts der anhaltend schwierigen Lage in der Bauwirtschaft zeichnet sich für 2026 ein ähnlich negatives Bild ab. Der VdL prognostiziert eine Reduktion der verkauften Mengen um erneut 3 %. Erst ab 2027 kann demnach von einer Erholung bei der Nachfrage nach Bautenanstrichmitteln ausgegangen werden – falls der wichtige „Baubooster“ dann die erhofften positiven Auswirkungen zeigt.

Druckfarben

2025 wurden auf dem deutschen Markt 168.000 Tonnen Druckfarben im Wert von 702 Millionen Euro verkauft. Das bedeutet deutliche Rückgänge bei der Absatzmenge von rund 5 %. Diese Einbußen sind vor allem im Publikationsdruck zu verzeichnen, während der Verpackungsdruck leicht wachsen konnte. Der weiter schrumpfende Publikationsdruck verursacht auch für 2026 erwartbar einen Gesamtrückgang in der Absatzmenge von 3 %.

Außenhandel

Leichtes Wachstum vermeldet der internationale Handel: 2025 wurden Waren im Wert von 3,7 Milliarden Euro exportiert, rund 1 % mehr als im Vorjahr. Die Umsätze aus Importen stiegen deutlich an: ein Plus von 3,5 %. Insgesamt wurden Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro importiert. Für 2026 erwartet der VdL moderate Zuwächse bei den Exporten, begünstigt durch eine leicht positive Konjunktur im Ausland. Auch die Importe sollen leicht steigen.

„Mehr Mut und Entschlossenheit bei der Entbürokratisierung!“

„Die deutsche Wirtschaft stagniert seit sechs Jahren und befindet sich auf dem Niveau von 2019“, analysierte VdL-Präsident Borgholte die ernüchternden Zahlen. „Und da tiefgreifende strukturelle Reformen bislang ausgeblieben sind, bleiben die Wachstumsperspektiven schwach.“ Erst am Tag zuvor habe er dem Treffen zur Antwerpener Erklärung beigewohnt, und tatsächlich sei die Botschaft für eine industriefreundlichere Politik auf den oberen Ebenen der EU angekommen. Man erwarte nun aber entschiedene Schritte in der Wirtschaftspolitik, auch auf nationaler Ebene. Der Bau-Booster sei so ein wichtiges und notwendiges Signal für die deutsche Bauindustrie und damit auch für die Farbenbranche als Zulieferer. Vor allem gelte es aber nun auf allen Ebenen, die lähmende und strangulierende Bürokratie zu bekämpfen. Doch 2025 habe die EU mehr Vorschriften erlassen als jemals zuvor. „Wir fordern mehr Mut und Entschlossenheit bei der Entbürokratisierung“, so Borgholte, nur so könne sich die Wirtschaft entfesseln.

Von ersten positiven Entscheidungen berichtete auch VdL-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Kanert. Die Bedeutung der Chemieindustrie für die Gesamtwirtschaft sei in Europa angekommen. Mit den „Omnibus“-Paketen seien erste Erfolge vor allem im Chemikalienrecht zu verzeichnen. „Aber der Bürokratieabbau verliert sich oft in Detaildiskussionen auf Arbeitsebene: Oft gibt es nur ‘weniger Mehr‘ statt echter Entlastung.“ Und vor allem bei der Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft (PPWR und ESPR) drohten wieder weitere Belastungen. „Ein Anfang ist gemacht, aber es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns.“