Dr. Karsten Derks übernimmt die Papierfabrik Niederauer Mühle (PNM) mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Oktober 2026 als alleiniger Eigentümer. Dr. Derks führt das Unternehmen bereits seit Januar dieses Jahres als CEO. Die bisherigen Eigentümerfamilien Autenrieb und Meyer geben ihre Beteiligungen vollständig ab, operativ waren sie im Unternehmen zuletzt bereits nicht mehr tätig. Die Entscheidung für den Verkauf erfolgte im Gesellschafterkreis einstimmig und im gegenseitigen Einvernehmen.
Die Niederauer Mühle ist die einzige Papierfabrik in Deutschland, die gebrauchte Getränkekartons aufbereitet und deren Papierfasern zu Rohpapier für Wellpappe verarbeitet. Diese besondere Kompetenz in der Kreislaufwirtschaft bietet Potenzial für die weitere Entwicklung. Dr. Karsten Derks erklärt: „Ich habe die Niederauer Mühle in einer herausfordernden Phase kennengelernt. Das Können und Engagement der Belegschaft und die Möglichkeiten des Unternehmens haben mich überzeugt, selbst unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Erste Grundlagen für die Stabilisierung sind geschaffen. Jetzt gilt es, den Umbau fortzusetzen und die PNM wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig aufzustellen.“
Wirtschaftliche Herausforderungen und begonnener Umbau
Die vergangenen Jahre haben die Niederauer Mühle wirtschaftlich belastet. Auf den Nachfrageboom während der Coronapandemie folgten rückläufige Absatzmengen bei zugleich stark gestiegenen Energiekosten. Bei Letzterem ist in der nächsten Zeit keine Besserung zu erwarten.
Unter Karsten Derks hat die PNM seit Jahresbeginn daher ihre Kostenstruktur angepasst. Dazu gehörten die Stilllegung der kleineren der beiden Papiermaschinen und ein Abbau von Arbeitsplätzen, den eine Transfergesellschaft begleitet. Parallel arbeitet das Unternehmen an der Produktpositionierung, der Logistik und seinem Marktauftritt. Die wirtschaftliche Entwicklung entspricht derzeit der Planung, was sehr erfreulich ist.
Eigentümerfamilien übergeben mit Vertrauen in die Zukunft
Vor diesem Hintergrund haben sich die bisherigen Eigentümer nach einem längeren Entscheidungsprozess für die vollständige Übergabe an Karsten Derks ausgesprochen. Mit der Übernahme liegen Geschäftsführung und Eigentum künftig in einer Hand. „Mit der Niederauer Mühle verbinden unsere Familien Jahrzehnte gemeinsamer Arbeit und viele persönliche Erinnerungen. Deshalb fällt uns das Loslassen alles andere als leicht. Aber wir vertrauen Dr. Derks und sind überzeugt, dass er die Ideen und Entschlossenheit mitbringt, um der PNM neue Perspektiven zu eröffnen“, sagt Stephanie Zanders für die bisherige Eigentümerfamilie Autenrieb, die das operative Geschäft bis 2024 prägte.
Kristina Schwahlen ergänzt für die Familie Meyer: „Dr. Derks bringt Tatkraft, innovative Ideen und einen gesunden Optimismus mit. Er kennt die Herausforderungen und packt an. Das ist genau der frische Wind, den die PNM jetzt braucht.“ Der Papiermacher Holger Autenrieb, seine Frau Christiane und der Kaufmann Manfred Meyer hatten die Niederauer Mühle 1984 übernommen und gemeinsam mit den Beschäftigten erheblich ausgebaut. Vor allem dank des Unternehmergeistes und der Innovationsfreude von Holger Autenrieb, kräftig unterstützt von seiner Frau Christiane, stieg die jährliche Papierproduktion von damals rund 9.000 auf in der Spitze rund 345.000 Tonnen.
Marktposition stärken, Wachstumsmöglichkeiten erschließen
Das bestehende Produktportfolio bleibt Grundlage der weiteren Entwicklung. Ein besonderer Ansatzpunkt ist die einzigartige Verarbeitung recycelter Getränkekartonfasern zu weiß gedecktem Testliner für Wellpappenverpackungen. Mit dem EifelLiner PaperLoop hat die PNM kürzlich ein neues Produkt mit einem garantierten Mindestanteil recycelter Getränkekartonfasern von 25 Prozent eingeführt und verzeichnet dafür eine erste, anhaltende Nachfrage.
Diese Kompetenz soll künftig stärker in der Kundenansprache zum Tragen kommen. Dazu gehören engere Beziehungen zu bestehenden Kunden und die gezielte Ansprache neuer Abnehmer. Potenzial sieht die PNM auch im Austausch mit Getränkeabfüllern, die Wellpappenverpackungen für den Transport ihrer Produkte benötigen. „Wir wollen aus dieser am Markt einzigartigen Fähigkeit mehr Geschäft entwickeln. Zugleich wird sich die Papierindustrie weiter verändern. Ich traue der PNM zu, in diesem Wandel eine aktive Rolle zu spielen und auch über das bestehende Geschäft hinaus zu wachsen“, sagt Karsten Derks. „Dafür werden wir unterschiedliche unternehmerische Möglichkeiten prüfen. Wo zusätzliche Kompetenzen, Kapazitäten oder finanzielle Mittel unsere Entwicklung sinnvoll beschleunigen können, wollen wir uns den entsprechenden Spielraum erschließen. Und ich bin mir sicher, dass dieses Bekenntnis zum Standort Kreuzau und zur Region auch von der Kommunal- und Landespolitik wertgeschätzt wird.“