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(07/30/2026 / sbr)

„Verflucht, heute ist es aber extrem heiß“

In Betrieben geht es zuweilen „heiß her“; das wissen die meisten Arbeitnehmer. Doch dass an ihren Arbeitsplätzen die Temperaturen unerträglich werden, ist für sie ein neues Phänomen. Hierauf müssen ihre Arbeitgeber reagieren. Auch im Bereich Gesundheitsvorsorge stehen die Unternehmen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Denn zum Beispiel aus neuen Formen der Zusammenarbeit sowie dem Einsatz neuer Technologien erwachsen oft auch neue Faktoren, die potenziell die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden belasten.

Ein Beitrag von Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner.

Der Klimawandel ist auch an den Arbeitsstätten spürbar

Zu den neuen Herausforderungen zählen auch die aufgrund des Klimawandels gehäuft auftretenden Hitzewellen. Diese führen dazu, dass die Temperaturen an vielen Arbeitsstätten

  • temporär ins Unerträgliche steigen,
  • die Gesundheit der Mitarbeitenden belasten sowie
  • ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit mindern.

Häufige Hitzefolgen sind zudem Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Gereiztheit.

Die Belastungen unterscheiden sich an den Arbeitsplätzen jedoch erheblich: In Büros sind zwar oft schlecht klimatisierte Räume ein Problem; in Produktionshallen, sowie auf Baustellen sind die Beschäftigten aber häufig noch viel höheren Temperaturen ausgesetzt.

Führung beginnt mit Zuhören und Ernstnehmen

Führungskräfte, die sich dem Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden und „Vision-Zero-Gedanken“ (Ziel: null arbeitsbedingte Erkrankungen) verpflichtet fühlen, sollten die Hitzebelastung nicht als ein rein organisatorisches Problem, sondern auch als ein gemeinsames Thema der Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit betrachten. Deshalb sollten sie mit ihren Mitarbeitenden in einen offenen Dialog hierüber treten. Hierfür geeignete Fragen sind:

  • Wie stark beeinträchtigen die aktuellen Temperaturen Sie und Ihre Arbeit?
  • Welche Faktoren und Tätigkeiten belasten Sie besonders?
  • Was würde Ihnen helfen, die Hitze besser zu ertragen?
  • Welche Lösungen sind kurzfristig und welche mittel-/langfristig möglich?

Ein solcher Austausch

  • signalisiert den Mitarbeitenden ein Wahrnehmen ihrer Person und Situation und
  • schafft die Grundlage für das gemeinsame Erarbeiten praktikabler Lösungen sowie Gegenmaßnahmen.

Gemeinsam tragfähige Lösungen finden

Nicht jede Maßnahme eignet sich für jeden Arbeitsplatz. Deshalb empfiehlt sich eine Analyse, welche Lösungen sowohl den Bedürfnissen der Mitarbeitenden als auch des Betriebs gerecht werden.

Mögliche Maßnahmen für Büroarbeitsplätze

In den Bürobereichen lassen sich oft mit überschaubarem Aufwand deutliche Verbesserungen erzielen. Hierzu zählen:

  • das kostenlose Bereitstellen von gekühltem Trinkwasser und alkoholfreier Getränke,
  • Ventilatoren oder mobile Klimageräte dort, wo dies technisch möglich ist,
  • ein Sonnenschutz durch Jalousien, Rollläden oder Sonnenschutzfolien,
  • ein konsequentes Lüften in den frühen Morgenstunden,
  • das Reduzieren zusätzlicher Wärmequellen z.B. durch das Abschalten ungenutzter Geräte,
  • eine Lockerung der Bekleidungsvorgaben, soweit dies betrieblich möglich ist,
  • flexiblere Arbeitszeiten mit einem früheren Arbeitsbeginn,
  • eine verstärkte Homeoffice-Nutzung, sofern dort bessere Arbeitsbedingungen bestehen,
  • eine Verlagerung besonders anspruchsvoller Aufgaben in kühlere Tageszeiten.

Mögliche Maßnahmen in der Produktion, in Werkstätten

In Produktionsbereichen stehen meist teils andere Lösungen im Vordergrund:

  • zusätzliche Trinkstationen mit gekühlten Getränken,
  • regelmäßige Trinkpausen und Erinnerung an ein ausreichendes Trinken,
  • Erholungspausen in gekühlten oder schattigen Bereichen,
  • mobile Kühlanlagen oder leistungsfähige Ventilationssysteme,
  • technische Abschirmung besonders heißer Maschinen,
  • Anpassung der Arbeitsabläufe und Verlagerung der Arbeitszeiten in kühlere Tageszeiten,
  • leichtere Arbeitskleidung mit guter Atmungsaktivität, soweit der Arbeitsschutz dies zulässt,
  • eine verstärkte Beobachtung von Anzeichen einer Überhitzung sowie klare Regelungen zum Umgang mit hitzebedingten Beschwerden.

Lösungen entstehen im Dialog

Meist stiftet eine Kombination von Einzelmaßnahmen den größten Nutzen. Führungskräfte sollten deshalb mit ihren Teams überlegen:

  • Welche Maßnahmen lassen sich sofort umsetzen?
  • Welche organisatorischen Veränderungen wären sinnvoll?
  • Welche Investitionen zahlen sich kurzfristig und welche eher langfristig aus?
  • Welche Erfahrungen haben einzelne Mitarbeitende bereits gesammelt?
  • Welche Ideen können von anderen Unternehmen, Bereichen übernehmen werden?

Die Praxis zeigt: Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden an der Lösungssuche beteiligen, erhalten oft überraschend viele praxisnahe Vorschläge. Zudem steigt die Akzeptanz der beschlossenen Maßnahmen.

Die Gesundheit fördern und die Effektivität bewahren

Bei Lösungen, die Investitionen erfordern, befürchten Unternehmen oft die höheren Kosten. Die Praxis im Bereich Gesundheitsvorsorge bzw. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zeigt jedoch: Vorbeugende Maßnahmen sind wirtschaftlich meist sinnvoll – speziell bei Herausforderungen wie den Hitzewellen, bei denen klar ist: Sie kommen wieder. Denn Mitarbeitende, die zum Beispiel ausreichend trinken, bei angenehmeren Temperaturen arbeiten und ihre Arbeitszeit flexibel den Gegebenheiten anpassen können, bleiben auch bei extremen Außentemperaturen leistungsfähiger. Sie machen zudem weniger Fehler und fallen seltener aufgrund hitzebedingter Beschwerden aus. Außerdem profilieren sich die Unternehmen durch ihre Vorsorgemaßnahmen als verantwortungsbewusste Arbeitgeber.

Vision Zero bedeutet, auf neue Risiken vorbereitet sein

Die Hitzewellen aufgrund des Klimawandels zeigen exemplarisch, wie sich auch die Herausforderungen im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) verändern. Neue Belastungen entstehen meist schleichend und erfordern mit der Zeit immer dringlicher Lösungen. Führungskräfte, die den Vision-Zero-Gedanken verpflichtet fühlen, warten deshalb nicht, bis massive gesundheitliche Probleme auftreten. Sie suchen vielmehr frühzeitig

  • das Gespräch mit ihren Mitarbeitenden und
  • entwickeln mit ihnen Lösungen, die deren Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit und -bereitschaft gleichermaßen fördern und bewahren.

Dadurch entsteht mit der Zeit in der Organisation eine Kultur, in der Gesundheit – und ein niedriger Krankheitsstand – kein Zufall ist, sondern das Ergebnis eines kontinuierlichen Austauschs und einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme.

Zu den Autoren

Die drei Autoren – Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner – bilden gemeinsam das Führungsteam der Unternehmensberatung Positivity Guides eGbR, Berlin/Braunschweig (www.positivity-guides.de), die auf das Themenfeld Positive Führung und Positive Leadership spezialisiert ist. Unter der Mailadresse kontakt@positivity-guides.de können Interessierte einen Guide „Positive Leadership - Key to VISION ZERO“ bei den Positivity Guides anfragen.