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Spielkartenkarton von Koehler


Haben Sie sich in geselliger Spielerunde schon einmal gefragt, was eigentlich alles notwendig ist, um die Spielkarten mit all ihren notwendigen Eigenschaften herzustellen? Oft machen wir uns keine Gedanken über Selbstverständlichkeiten. Die Karten sind da, wenn wir sie brauchen. Der Herstellungsprozess und seine Feinheiten sind uns fremd. Wir malen uns nicht aus, was alles dazugehört.


Diesen Umstand werden wir in Punkto Spielkarten nun ändern. Bevor wir Karten in der Hand halten, haben diese bereits viele Produktionsschritte durchlaufen.

Die beste Qualität kommt aus Oberkirch

Ausgangspunkt ist der fertige Spielkartenkarton, welcher bereits seit 85 Jahren bei uns im badischen Oberkirch hergestellt wird. Natürlich hat sich der Karton in dieser Zeit verändert, aber immer hat Koehler den jeweiligen Zeiten entsprechend die höchstmögliche Qualitätsstufe produziert. Nachdem der Karton, meist zu Format geschnitten und auf Paletten gestapelt, bei unseren Kunden, den Spielkartenherstellern, angekommen ist, wird der Karton zunächst einer stichprobenartigen Eingangskontrolle unterzogen. Dabei wird geprüft, ob die Sorte, Verpackung, Menge und Spezifikation korrekt ist und mit der Bestellung übereinstimmt.

Papier muss sich ans Klima gewöhnen

Danach muss zwingend eine sogenannte Akklimatisierung erfolgen. Das heißt, die noch klimadicht verpackte Palette wird für eine bestimmte Zeit an das im Drucksaal vorherrschende Klima angepasst. Hier handelt es sich hauptsächlich um eine Anpassung der Stapeltemperatur an die Raumtemperatur. Als Faustregel können pro Palette und 10°C Temperaturunterschied 24 Stunden angesetzt werden. Dies ist besonders in den Wintermonaten unabdingbar.

Neben der Temperatur ist aber auch die relative Feuchte für eine problemlose Verarbeitung des Kartons ausschlaggebend. Das sogenannte Normklima, welches in Druckereien heute mehrheitlich vorherrscht, liegt bei etwa 50 % relativer Luftfeuchte und 21°C. Um hier von vornherein kartonseitig auf gleichem Niveau zu liegen, produzieren wir den Karton mit genau diesen Vorgaben. Somit ist gewährleistet, dass sich der Karton beim Entpacken der Palette nicht ungewollt wellt. Hier spricht man im Fachjargon von sogenannten Randwellen, wenn der Karton zu trocken ist oder von Tellern, wenn er zu feucht ist.

Vollautomatische Weiterverarbeitung durch modernste Technik

Nun kann es losgehen. Die Palette wird nach dem Entpacken direkt an die Bogendruckmaschine angefahren und über Hub- und Schleppsauger auf den Anlagetisch der Maschine transportiert. Dort wird der Bogen über Saugbänder in das erste Druckwerk mittels sogenannten Greifern eingezogen. Zuvor wurde der Druckmaschine bereits der Druckauftrag mit den Basiseinstellungen elektronisch übermittelt und der Drucker hat entweder eine elektronische oder physische Auftragsmappe mit Vorlagemustern erhalten. Je nach Druckbild und Kartonseite werden eine oder mehrere Druckfarben gedruckt. Pro Farbe benötigt die Maschine ein Druckwerk. Die meisten Spielkarten werden heute im sogenannten 4-C (4-Color = Cyan Magenta Yellow Schwarz) Prozess gedruckt. Für manche Karten (z.B. bei Casinos) werden auch Sonderfarben für die Rückseite eingesetzt, somit benötigt man für die Rückseite manchmal auch nur eine Farbe.

Nach Durchlauf durch die Maschine überprüft der Drucker zunächst den Passer und die Farbgebung. Der Passer ist für die Ausrichtung des Bogens notwendig, sodass dieser richtig bedruckt werden kann und das Druckbild nach dem Schneiden nicht schief auf der Karte sitzt. Ebenso muss geprüft werden, ob auch keine Schmutzpunkte vorhanden sind, denn dies wäre in Casinos dann eine "gezinkte" Karte. Um hier ganz sicher zu gehen, ist in den Maschinen heute meist eine sogenannte "Inspection Control" installiert. Dies ist ein Kamerasystem, welches eine optische Fehlererkennung ermöglicht und gegebenenfalls markiert, damit die Ware aus dem Prozess ausgeschleust werden kann.

Spezieller Lack für ein leichtes Handling

Denn würden die Karten einfach so gefertigt, wäre ein Kartenspiel nicht ideal bespielbar. Die Karten würden sich schwer und ungleichmäßig in der Hand bewegen. Deswegen wird über die Druckfarbe ein flächiger, spezieller Spielkartenlack gedruckt. Dies geschieht inline, also in der Druckmaschine, über ein spezielles Lackwerk und ermöglicht den Spielern ein leichtes Handling der Karten, den in Casinos eingesetzten Mischautomaten ein fehlerloses Mischen und bietet darüber hinaus noch einen Schutz der Karten gegen Schmutz, Handschweiß, Cremes und andere Einflüsse, die die Eigenschaften eines Kartenspiels drastisch beeinträchtigen können.

Nachdem die Bögen bedruckt sind, müssen diese erst einmal eine etwa 24stündige Wartezeit einlegen. Dabei haben Druckfarbe und Lack genügend Zeit zu trocknen. Danach können die Bögen problemlos weiterverarbeitet werden.

Die Weiterverarbeitung erfolgt in speziellen Anlagen, welche den Karton im Grunde immer nach dem gleichen Prinzip bearbeitet:

  • Ein Großbogen wird in einzelne Streifen geschnitten (längs)
  • Dann werden aus jedem Streifen einzelne Blätter geschnitten (quer)
  • Die einzelnen Blätter oder Karten werden zu kleinen Stapeln zusammengeschoben
  • Der Stapel wird korrekt ausgerichtet und im Anschluss daran an allen vier Ecken gerundet. Das Eckenrunden kann in zwei Schritten mit Einzelmessern geschehen, oder mit einer Vollstanze in einem Schritt.

Danach werden die fertigen Decks inline in Cellophan eingeschlagen und in eine Faltschachtel eingeschoben. In Kartons verpackt und palettiert wandern sie in den Versandbereich, von wo aus die Spiele zu dem jeweiligen Distributor oder auch direkt ins Spielcasino gefahren werden.

sbr / 03/21/2019