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Bertelsmann richtet Druckgeschäft neu aus


Bertelsmann stellt sein weltweites Druckgeschäft organisatorisch und personell neu auf. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Druckunternehmen der Bertelsmann Printing Group (BPG) wird deutlich intensiviert. Dazu werden unter anderem die Organisationsstrukturen vereinheitlicht und weitere Funktionen, beispielsweise IT oder Controlling, gebündelt.


Damit schafft der Konzern nach eigener Aussage die "bestmöglichen Voraussetzungen, um die marktführende Position in einem herausfordernden Marktumfeld zu festigen", sich noch besser an den Anforderungen seiner Auftraggeber auszurichten und die Transformation der Druckbranche auch zukünftig aus einer Position der Stärke zu gestalten.

Die Druckbranche ist schon seit mehr als einem Jahrzehnt von einer strukturell rückläufigen Entwicklung geprägt. Insbesondere ist die Nachfrage nach hochauflagigen Katalogprodukten deutlich zurückgegangen. Die Überkapazitäten auf Produktionsseite sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck mit den Offsetanbietern haben zudem den Preisdruck spürbar erhöht.

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, sagte: "Die Neuausrichtung unserer Druckaktivitäten ist die Antwort auf die weitreichenden Veränderungen in der Druckbranche. Die Bertelsmann Printing Group ist als führender Anbieter in Europa gut aufgestellt. Megatrends wie die Digitalisierung und die Individualisierung, aber auch die zunehmende Konvergenz von Tief- und Offsetdruck stellen die Druckbranche jedoch vor große Herausforderungen. Im vergangenen Jahr haben zudem Papierpreissteigerungen zu Zurückhaltung bei vielen Kunden geführt. Auf diese Entwicklungen haben wir in den vergangenen Jahren bereits mit unterschiedlichen Maßnahmen reagiert und antworten jetzt mit einer noch stärkeren Integration unserer Druck- und Direktmarketinggeschäfte. Davon versprechen wir uns weitere Effizienz- und Effektivitätsverbesserungen."

Die umfassende Neuausrichtung der Drucksparte geht einher mit einem Wechsel an der Spitze der Bertelsmann Printing Group: Axel Hentrei (60), CEO der Druckereigruppe, hat sich entschieden, nach fast 30 Jahren Betriebszugehörigkeit seine Ämter niederzulegen und in den Ruhestand zu gehen. Seine Aufgabe übernimmt mit sofortiger Wirkung Dirk Kemmerer (46), der seit Februar 2017 Mitglied im BPG-Board ist und dort als CEO die Geschäfte von Mohn Media und Digital Marketing verantwortet. Zukünftig besteht das BPG-Board aus drei Mitgliedern. Neben Dirk Kemmerer als CEO sind dies Ulrich Cordes (51) und Niklas Darijtschuk (47). Cordes bleibt CFO der Gruppe, Darijtschuk übernimmt zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben im Bereich Print International die neu geschaffene Rolle des Chief Operating Officers (COO).

Thomas Rabe: "Ich danke Axel Hentrei für die ausgezeichnete Arbeit, die er in den vergangenen Jahrzehnten beim Auf- und Ausbau der Druckgeschäfte von Bertelsmann und bei der Transformation der Druckereien in moderne Druckdienstleistungsbetriebe geleistet hat. In seine Amtszeit an der Spitze der Bertelsmann Printing Group fielen wichtige Entscheidungen. Für seine Zukunft wünsche ich ihm im Namen aller Mitglieder des BPG-Boards und des Bertelsmann Group Management Committee alles Gute. Gleichzeitig freue ich mich, dass mit Dirk Kemmerer ein Manager an die Spitze der Bertelsmann Printing Group tritt, der aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für Arvato und die BPG bestens mit dem Geschäft vertraut ist. Er steht für Unternehmertum, digitale Kompetenz und Innovationskraft. Ich bin davon überzeugt, dass er die Integration der Druck- und Direktmarketing-Geschäfte erfolgreich vorantreiben wird."

Das Management hat zudem die Entscheidung getroffen, den Standort in Nürnberg zum 30. April 2021 zu schließen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die massiven Überkapazitäten im Tiefdruck deutlich zu reduzieren, um damit dem zunehmenden Preisverfall und den für die kommenden Jahre prognostizierten Verlusten im Geschäftsfeld Tiefdruck entgegenzuwirken. Von den Schließungsplänen sind etwa 670 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Druckerei und der Klebebindung in Nürnberg betroffen, zudem etwa 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über Leih- und Zeit- beziehungsweise Werkverträge beschäftigt sind.

Thomas Rabe: "Die Entscheidung, den Standort in Nürnberg in knapp zwei Jahren zu schließen, ist uns sehr schwer gefallen. Sie ist aufgrund der deutlichen Mengen- und Preisrückgänge im Jahr 2018 jedoch unumgänglich, um unser Druckgeschäft insgesamt zukunftsweisend aufzustellen. Wir sind uns unserer hohen Verantwortung für die betroffene Belegschaft in Nürnberg bewusst, werden zu allen Verpflichtungen stehen, die sich aus der Beschäftigungssicherung bis 2020 ergeben und den Sozialplan aus Konzernmitteln finanzieren. Mit dem Ziel, möglichst zeitnah einen Interessenausgleich zu verhandeln, werden wir jetzt umgehend das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern suchen."

Die ebenfalls am Standort in Nürnberg ansässigen BPG-Tochterunternehmen RTV Media Group und die Agentur MBS sind von den Schließungsplänen nicht betroffen. Gleiches gilt für die Prinovis-Standorte in Ahrensburg und Dresden sowie für die Offsetdruckereien der Gruppe in Gütersloh (Mohn Media), in Pößneck (GGP Media) und in Würzburg (Vogel Druck).

sbr / 11.04.2019