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Interview Digitaldruck-Weiterverarbeitung


CEWE ist mit kundenindividuellen Fotobüchern, Fotokalendern, Fotoabzügen und einer großen Vielfalt weiterer Fotoprodukte und Digitalangebote, die Verbraucher über die Online-Plattformen und Apps des Unternehmens bestellen, weiter auf Wachstumskurs. Im Produktionsbetrieb am Hauptsitz der CEWE Stiftung & Co. KGaA in Oldenburg wurde Anfang Oktober 2018 eine automatische Tecnau Schneidelinie für die Verarbeitung von digital auf Rolle gedruckten Produkten in Betrieb genommen.


Die Anlage besteht aus der Abrollung UW 550, dem Schneidemodul TC 7000 TS 1 sowie dem Stapler TC 1220 und einem Auslageband. Ausgelegt für eine maximale Papierbahnbreite von 320 mm, wird die neue Schneidelinie für die Produktion von Fotokalendern genutzt. Kalenderblätter im A3-Hochformat, A4-Hochformat oder A4-Querformat erhalten den präzisen randabfallenden Schnitt auf das Endformat, werden in Kalendersätzen gesammelt, versetzt abgestapelt und schließlich ausgelegt.

Im Interview erläutert Achim Schwartz, Technischer Leiter mit Zuständigkeit für den Bereich Digitaldruck, warum CEWE in die Weiterverarbeitungstechnik von Tecnau investierte und welche operativen sowie qualitativen Vorteile die Schneidelinie in der Mehrschicht-Hochleistungsproduktion bietet.

Wodurch ergab sich bei Ihnen der Bedarf für eine neue Schneidelinie zur Rolle-Stapel-Verarbeitung?
Auslöser war unsere Überlegung, die Kalenderherstellung, die wir zum größten Teil im digitalen Bogendruck abwickeln, mit einer Rollenproduktionslinie zu ergänzen. Für den Rollendruck der Kalender setzen wir eine vorhandene HP Indigo Digital Press WS6000 ein und dazu benötigten wir eine geeignete Nearline-Schneidelösung. Der Reiz der Rollenverarbeitung besteht darin, dass wir nicht Bogenstapel aus der Druckmaschine über den Planschneider schicken und anschließend die 13 oder 14 Blätter der Kalender mühselig vereinzeln müssen. Stattdessen erhalten wir  einen fließenden, stark automatisierten Prozess von der bedruckten Rolle ohne manuelle Zwischenschritte bis zu den auf das Endformat geschnittenen und versetzt gestapelten Kalendersätzen.

Was waren Ihre Anforderungen an die neue Schneidelinie?
Das Kalendergeschäft ist stark saisonal und beschränkt sich auf den Zeitraum ab Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten. In dieser Zeit läuft unsere Produktion an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr. Das heißt, wir benötigen eine robuste und hoch belastbare Technik. Außerdem sollte die Geschwindigkeit der Schneideanlage die der Druckmaschine übertreffen, die im Vierfarbdruck 30 m/min erreicht. Die Tecnau Linie kommt auf bis zu 120 m/min, sodass diese Anforderung bei Weitem erfüllt wird.

Für Kalender verwenden wir einen einheitlichen Papiertyp, ein Digitaldruckpapier mit 250 g/m2. Von zentraler Bedeutung ist bei der Weiterverarbeitung die Schnittqualität. In der 2017er Saison versuchten wir das Ganze mit einem vorhandenen rotativen Schneidesystem. Wir mussten aber feststellen, dass es eine schräge Schnittkante im Papier erzeugt, die vor allem bei  Kalendern mit dunklen Rahmen oder Hintergründen unschön auffällt. Deshalb suchten wir nach einer besseren Alternative, die wir bei Tecnau gefunden haben. Das Schneidemodul von Tecnau führt den Querschnitt durch seine Kassetten mit vertikalen Messern wie ein Planschneider exakt senkrecht aus und der Längsschnitt erfolgt über seitlich angeordnete Kreismesser ebenfalls senkrecht. Wichtig war auch das versetzte Stapeln, weil dies die Überführung der einzelnen Kalender in die anschließenden Prozessschritte Stanzung und Drahtkammbindung erleichtert.

Wie sind Sie auf Tecnau als Anbieter von Digitaldruck-Weiterverarbeitungstechnik aufmerksam geworden?
Wir kannten Tecnau schon grob. Anfang letzten Jahres besuchte uns der Vertriebsleiter Robert Gubo und wollte eigentlich ein Bogen-System vorstellen. Bei einem Betriebsrundgang machte ich ihn auf unser Problem mit der Rollenverarbeitung aufmerksam. Dafür konnte Tecnau die passende Lösung anbieten.

Wie hilft Ihnen die Tecnau-Schneidelinie, Ihre Dienstleistungen für Ihre Kunden zu verbessern?
Der Kunde wünscht, seinen selbst gestalteten Kalender in hoher Druck- und Verarbeitungsqualität möglichst kurzfristig zu erhalten. Es ist sehr effizient, den Endbeschnitt direkt hinter der Druckmaschine zu haben und in dem kontinuierlichen Prozess eine hohe Schnittqualität zu erzielen. Dadurch arbeiten wir für unsere Kunden deutlich schneller und mehr fließend – quasi inline mit der Endverarbeitung und ohne große Zwischenlagerung.

Enthalten die Rollen, die Sie auf der Tecnau Linie verarbeiten, jeweils homogene Kalendertypen, zum Beispiel immer A3-Hochformat oder A4-Querformat?
Die Formate auf den Rollen sind nicht homogen, aber auch nicht bunt gemischt. Wir haben auf einer Rolle mehrere Batches, in denen Kalender im A3-Hochformat, A4-Querformat oder A4-Hochformat zusammengefasst sind, um den Umrüstaufwand zu minimieren. Für den Wechsel zwischen den Formaten müssen wir die Schneidekassetten für den Querschnitt tauschen und gegebenenfalls den Längsschnitt anpassen.

Welchen betriebswirtschaftlichen Nutzen haben Sie mit der Tecnau Schneidelinie gewonnen?
Wir sparen Personal ein, da mehrere manuelle Prozessschritte entfallen. Die Druckmaschine und die Tecnau Linie können zusammen von einer Person bedient werden. Das reduziert auch unsere Abhängigkeit von Saisonkräften, denn zu den 1.100 Mitarbeitern an unserem Standort, von denen etwa die Hälfte in der Produktion tätig ist, kommen in der Hochsaison noch etwa 400 Aushilfen – und die muss man erst einmal bekommen.

Insgesamt ermöglicht die gesamte Strecke eine sehr rationelle und effiziente Produktion, da wir von Rolle auf Rolle drucken, die bedruckte Rolle nearline auf der Tecnau Anlage schneiden und dann direkt in die Endverarbeitung und den Versand gehen.

Wie bewerten Sie die Bediener- und Wartungsfreundlichkeit der Tecnau Anlage?
Am Anfang musste sich unser Bedienpersonal natürlich mit der neuen Anlage vertraut machen, aber das spielte sich schnell ein. Wir hatten mit Tecnau einen Servicevertrag mit 24/7-Rufbereitschaft abgeschlossen, wie wir es bei allen maßgeblichen Produktionsanlagen handhaben. Während der Kalendersaison mussten wir aber kein einziges Mal einen Servicetechniker bemühen und in dieser Zeit sind immerhin rund 9.000 Kalender pro Tag über die Schneidelinie gelaufen.

Gibt es bei Ihnen Überlegungen, die Tecnau Schneidelinie künftig auch für andere Produkte als nur Kalender einzusetzen?
Wir sind mit der Schneidelinie sehr zufrieden und denken jetzt darüber nach, was wir das Jahr über darauf verarbeiten könnten. Denkbar wäre zum Beispiel, die Linie in Richtung Auslage noch etwas zu modifizieren, um auch Fotobuch-Cover fahren zu können. Unterjährig fertigen wir hier rund 5.000 Bücher pro Tag mit solchen Covern und das wäre dann eine Backup-Lösung für eine andere Anlage hier im Haus.

Haben Sie Pläne für einen weiteren Ausbau  oder eine stärkere Integration bzw. Automatisierung der Schneidelinie?
Wir sind nicht unbedingt Anhänger einer durchgängigen Inline-Fertigung, denn wenn ein Glied in der Kette ausfällt, stockt die komplette Produktion. Deshalb ist die Nearline-Verarbeitung im Anschluss an den Rollendruck sinnvoll. Was die Tecnau Linie betrifft, sehen wir grundsätzlich noch Potenzial für die Integration der Lochstanzung, für die Tecnau ja eine Inline-Lösung hat, und die Ankoppelung der Drahtkammbindung.

Wie bewerten Sie Ihre Zusammenarbeit mit Tecnau?
Unsere Erfahrungen mit Tecnau sind wirklich gut. Die Abwicklung von Kauf und Installation verlief reibungslos. Es war ja eine Premiere. Sehr gut ist einfach, dass die Anlage zuverlässig funktioniert und wir den Service bisher nicht benötigt haben.

sbr / 01.03.2019