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Drucken auf Papier rückläufig


Keine gute Nachricht für das Plotten von CAD-Bauplänen auf Papier: Öffentliche Bauten ab 5 Mio. Euro Volumen werden bevorzugt papierlos nach BIM-Methode errichtet. Druck-Dienstleister im motio-Netzwerk bieten nunmehr für Bau- und Planungskunden digitale Services rund um die Baustelle, wie virtuelle Projekträume und Bauportale.


Die digitale und papierlose Bauplanung war Thema des jüngsten motio-Hintergrundgesprächs mit dem Chef des Bundeskanzleramtes und Digitalisierungs-Minister Prof. Dr. Helge Braun. In Berlin erörterte die motio-Netzwerk-Spitze mit dem "nach Angela Merkel mächtigsten Politiker im Kanzleramt" die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung. Hierbei war für die Verbandsvertreter von großem Interesse, in welcher zeitlichen Abfolge das papierlose Planen von Bauwerken in Deutschland voranschreitet und das bisherige Geschäftsmodell des CAD-Plotservice beeinträchtigt. Nach der digitalen Steuererklärung, der digitalen Patientenakte und den digitalen Schriftsätzen bei Gericht stehe die Einführung des papierlosen Bauantrages bzw. die digitale Bauakte an. Einen konkreten Zeitpunkt konnte der Minister hierfür nicht nennen. Er meinte aber, dass dies schneller kommen wird, als man heute noch vermute. Bereits seit 2017 seien sämtliche Bundesbauten mit einem Bauvolumen von über fünf Millionen Euro mit der rein digitalen BIM-Methode bevorzugt zu realisieren. Hier wolle der Bund vorbildhaft vorangehen. Bedruckte Papierpläne würden dann kaum noch benötigt. Prof. Dr. Braun berichtete auch über die Digitalisierungsfortschritte bei Bundes-, Landes- und Kommunal-Behörden. Das motio-Netzwerk als der Markenauftritt des Wirtschaftsverbandes Kopie & Medientechnik e.V. war vertreten durch seinen Vorsitzenden Heiko Schmalfuß, Finanzvorstand Annette Hebbeler, Geschäftsführer Achim Carius und die Inhaber der Mitgliedsbetriebe Mike Riegler, Michael Baier, Andreas Haltmeyer und Wilfried Engel.

Dr. Jan Tulke, Geschäftsführer des "Think Tank Planen Bauen 4.0", der auch an dem Gespräch teilnahm, schätzt den fallenden Bedarf am Plotten auf Papier noch auf fünf bis zehn Jahre. Die Digitalisierung der reinen Planungsphase würde schneller voranschreiten als die der Bauphase auf der Baustelle. Dort schätzt er die Nutzungsdauer von Papierplänen etwas länger. Das digitale Bauantragsformular würde kurzfristig eingesetzt werden. Das bestehe nicht aus bloßen "doofen PDFs" sondern, wie federführend durch das Bundesland Hamburg vorangetrieben, im Format "X-Bau". Auch die neue NRW-Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag den digitalen Bauantrag festgeschrieben. Dieser wird aus PDF-Anhängen und 3D-BIM-Modellen bestehen. Der aus Vertretern der Länder und des Bundes bestehende IT-Planungsrat hat mittlerweile einheitliche Standards für Bauantragsverfahren inklusive für 3D-Darstellungen formuliert. Interessanterweise hätte die US-Army beim Bau ihres neuen Europa-Hauptquartiers in Wiesbaden-Erbenheim bereits vor wenigen Jahren mit der BIM-Methode geplant und gebaut.

Motio-Vertreter Andreas Haltmeyer aus Österreich berichtete auf dem Treffen über seine diesjährigen USA-Erfahrungen. Dort habe er sich in Digitaldruck-Betrieben das "Work Force Management" als Geschäftsmodell angesehen. Plot-Dienstleister würden neben Tablets, übergroßen Bildschirmen und Planraum-Programmen sämtliche auf der Baustelle benötigten IT-Ausstattungen an Bauunternehmen vermieten. Hierzu wird Haltmeyer auf den motio-Netzwerktagen am 10. und 11. Mai 2019 in Bad Neuenahr seinen Verbandskollegen berichten.

sbr / 20.11.2018