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Heidelberg veröffentlicht Geschäftsbericht 2011/2012


Die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) hat nach eigenen Angaben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 (1. April 2011 bis 31. März 2012) in einem unsicheren konjunkturellen Umfeld mit neuen Produkten, einer neuen Organisation und einer stabilen Finanzierung die Grundlage für eine nachhaltig profitable Zukunft gelegt.


Ziel ist es, auch künftig die führende Position in einem neu strukturierten Marktumfeld innerhalb der Printmedien-Industrie auszubauen sowie die Entwicklungs-, Produktions- und Servicekompetenzen auch außerhalb der Branche erfolgreich zu vermarkten. Dazu liegt das Unternehmen im Rahmen des Effizienzprogramms Focus 2012 mit der Senkung der Kosten und Kapazitäten sowie dem Umbau der Organisation voll im Plan. Zudem hat Heidelberg die Vorstandsaufgaben zum 1. Juni 2012 neu verteilt und dabei den Fokus auf die Optimierung des weltweiten Vertriebs und die Stärkung der Aktivitäten in den Wachstumsregionen gelegt, in denen in Zukunft rund 40 Prozent des weltweiten Bogenoffsetdruckvolumens produziert werden sollen. Der positive Start ins neue Geschäftsjahr 2012/13 mit der Vorstellung zahlreicher Innovationen auf der Branchenmesse Drupa sowie einem hohen Bestellvolumen bestätigt die eingeschlagene Richtung des Unternehmens.

Geschäftszahlen im Rahmen der vorläufigen Berechnungen

Die endgültigen Zahlen von Heidelberg zum Geschäftsjahr 2011/12 liegen im Rahmen der vorläufigen Berechnungen von Ende April. Trotz der schwachen Branchenentwicklung in der zweiten Geschäftsjahreshälfte konnte ein Umsatz auf Vorjahresniveau erreicht werden. Die selbst gesteckten Ziele für das Berichtsjahr wurden aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen jedoch nicht erreicht.

"Das Geschäftsjahr 2011/12 war vor allem in der zweiten Jahreshälfte von großer Unsicherheit geprägt. Der positive Verlauf der Leitmesse Drupa hat jedoch zeigt, dass das Vertrauen in der Branche wieder zunimmt und die Investitionszurückhaltung langsam abnimmt", sagte Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. "Heidelberg hat sich auf der Messe als Marktführer, Innovator und Integrator neuer Technologien eindrucksvoll präsentiert. Wir haben die richtigen Lösungen für die weltweiten Trends der Branche entwickelt und die passenden Anwendungen von strategischen Partnern eingebunden, und uns damit deutlich positiv vom Wettbewerb absetzen können."

Der Auftragseingang lag mit insgesamt 2,555 Mrd. Euro um 7 Prozent unter dem Vorjahreswert (2,757 Mrd. Euro), der durch die Messen ExpoPrint in Brasilien und Ipex in Großbritannien positiv beeinflusst worden war. Im ersten Berichtshalbjahr übertraf das Bestellvolumen mit 1,333 Mrd. Euro noch leicht das Niveau des vorangegangenen Halbjahres. Im zweiten Halbjahr schlugen sich jedoch die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die auf die Drupa zurückzuführende Investitionszurückhaltung im vierten Quartal in Bestellungen im Wert von 1,222 Mrd. Euro nieder.

Mit insgesamt 2,596 Mrd. Euro lag der Umsatz im Berichtsjahr währungsbereinigt auf dem Vorjahresniveau (2,629 Mrd. Euro). Während die Umsatzentwicklung in den Industrieländern rückläufig war, konnte der Umsatz in den Schwellenländern erneut zulegen: Ihr Anteil stieg leicht von 45 Prozent im Vorjahr auf 46 Prozent. Hierzu trug vor allem die stabile Entwicklung in China, Brasilien und Russland bei.

Mit 3 Mio. Euro lag das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Sondereinflüssen trotz Einmalaufwendungen auf dem Niveau des Vorjahres (4 Mio. Euro). Belastend wirkte insbesondere eine höhere Risikovorsorge im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, die im Zuge des nach amerikanischem Insolvenzrecht laufenden "Chapter 11"-Verfahrens der Eastman Kodak Company notwendig wurde. Insgesamt fielen im abgelaufenen Geschäftsjahr insbesondere für das Effizienzprogramm Focus 2012 Sondereinflüsse in Höhe von 142 Mio. Euro an, sodass das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit nach Sondereinflüssen minus 139 Mio. Euro (Vorjahr: 6 Mio. Euro) betrug.

Das Finanzergebnis verbesserte sich im Berichtsjahr wie erwartet um 59 Mio. Euro auf minus 90 Mio. Euro (Vorjahr: minus 149 Mio. Euro). Ursachen waren im Wesentlichen die Verbesserung der Kapitalstruktur aufgrund der im Vorjahr durchgeführten Kapitalerhöhung sowie die deutlich reduzierte Kapitalbindung durch aktives Asset-Management. Aufgrund des Steueraufwands von 1 Mio. Euro lag der Jahresfehlbetrag bei minus 230 Mio. Euro (Vorjahr: minus 129 Mio. Euro). Daher wird der Hauptversammlung für das Berichtsjahr vorgeschlagen, keine Dividende auszuschütten.

Der Free Cashflow entwickelte sich erfreulich und übertraf mit 10 Mio. Euro die Erwartungen deutlich. Hierzu trugen zum einen die Erfolge im Management des Net-Working-Capital als auch das verminderte Forderungsvolumen aus der Absatzfinanzierung bei. Aufgrund des Jahresfehlbetrags reduzierte sich die Eigenkapitalquote von rund 33 Prozent auf knapp 23 Prozent. Die Nettofinanzverschuldung konnte durch konsequentes Asset-Management mit 243 Mio. Euro (Vorjahr: 247 Mio. Euro) auf niedrigem Niveau gehalten werden.

"Wir haben trotz der schwachen Branchenentwicklung und einmaliger Belastungen unser operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten. Mit der konsequenten Umsetzung der Maßnahmen unseres Effizienzprogramms Focus 2012 liegen wir im Plan, um unsere angestrebten mittelfristigen Profitabilitätsziele zu erreichen. Weil wir durch erfolgreiches Asset-Management im Berichtsjahr die Mittelbindung reduziert haben, konnten wir den Finanzierungsbedarf senken", sagte Dirk Kaliebe, Finanzvorstand von Heidelberg. "Unsere Finanzierungsstruktur zeigt eine angemessene Diversifizierung sowohl bei den Finanzierungsquellen als auch dem Fälligkeitsprofil. Heidelberg verfügt somit mittel- bis langfristig über einen stabilen Liquiditätsrahmen mit ausreichendem Spielraum."

Geschäftsergebnisse in den Sparten Equipment, Services und Financial Services

In der Sparte Heidelberg Equipment verringerte sich der Auftragseingang aufgrund der Investitionszurückhaltung bei Werbedruckereien gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf 1,476 Mrd. Euro. Der Umsatz der Sparte konnte von 1,516 Mrd. Euro im Vorjahr auf 1,523 Mrd. Euro gesteigert werden. Trotz einmaliger Belastungen aus der höheren Risikovorsorge verbesserte sich das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit ohne Sondereinflüsse mithilfe konsequenten Kostenmanagements und Maßnahmen zur Bestandsoptimierung von minus 98 Mio. Euro auf minus 83 Mio. Euro.

In der Sparte Heidelberg Services sank der Auftragseingang um 3 Prozent auf 1,064 Mrd. Euro. Gegenläufige Effekte führten dazu, dass der Umsatz der Sparte um 4 Prozent auf 1,058 Mrd. Euro sank: Die Gebrauchtmaschinenumsätze gingen stärker zurück, dagegen nahm der Umsatz im Verbrauchsmaterialbereich wie erwartet zu. Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit der Sparte ohne Sondereinflüsse erreichte 72 Mio. Euro (Vorjahr: 84 Mio. Euro).

In der Sparte Heidelberg Financial Services verlief der Umsatz mit 15 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr stabil (Vorjahr: 16 Mio. Euro). Der Finanzierungsbedarf der Kunden konnte erneut überwiegend von externen Finanzierungspartnern abgedeckt werden. Das kleinere Portfolio der direkten Finanzierungen führte so zu niedrigeren Zinserträgen und einem Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit ohne Sondereinflüsse von 14 Mio. Euro (Vorjahr: 18 Mio. Euro).

Focus 2012 – Umsetzung der Maßnahmen im Plan

Als sich die Veränderung der Rahmenbedingungen abzeichnete, hat Heidelberg im Berichtsjahr das Effizienzprogramm Focus 2012 eingeleitet und liegt mit der Umsetzung der Maßnahmen im Plan. Mit den Sozialpartnern wurden mit Interessenausgleich und Sozialplan die Instrumente für die notwendige Personalanpassung in Deutschland vereinbart. Rund 80 Prozent der daraus abgeleiteten personellen Einzelmaßnahmen konnten bereits umgesetzt werden, die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereits auf einvernehmlicher Basis aus dem Unternehmen ausgeschieden. Bereits im Geschäftsjahr 2012/13 sollen bis zu einem Drittel der geplanten jährlichen Einsparungen in Höhe von rund 180 Mio. Euro wirksam werden. Damit soll sichergestellt werden, dass im Geschäftsjahr 2013/14 das angestrebte operative Ergebnis vor Sondereinflüssen von rund 150 Mio. Euro erreicht wird.

Wesentliche Maßnahmen des Programms wurden noch vor der Drupa umgesetzt. So hat das Unternehmen die Kapazität an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst und um 15 Prozent reduziert. An den deutschen Standorten wurde die Arbeitszeit auf 31,5 Stunden pro Woche abgesenkt bei entsprechender Absenkung der Entgeltlinie. Insgesamt soll die Zahl der Mitarbeiter bis Mitte des Jahres 2014 unter anderem mit sozialverträglichen Maßnahmen auf unter 14.000 gesenkt werden. Zum 31. März 2012 waren weltweit 15.414 Mitarbeiter bei der Heidelberg Gruppe beschäftigt (Vorjahr: 15.828 Mitarbeiter).

Neustrukturierung der Vorstandsaufgaben mit Fokus auf Wachstum und Effizienz im Vertrieb

Neben der Kostenreduktion durch die Anpassung der Kapazitäten sowie den sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen wurden im Rahmen von Focus 2012 auch strategische Weichenstellungen eingeleitet. Ziel ist es, eine einheitliche und kompetente Betreuung der Kunden weltweit mit größtmöglicher Effizienz sicherzustellen. Hierzu wird die Vertriebsorganisation des Unternehmens neu ausgerichtet und an die veränderten Marktgegebenheiten angepasst. Dazu werden die Vertriebs- und Serviceprozesse in den Industrieregionen harmonisiert und stärker zentralisiert sowie die Präsenz in den Schwellenregionen wie China, Indien, Russland und Brasilien weiter ausgebaut. Damit soll die Marktposition von Heidelberg in den Wachstumsbereichen weiter gestärkt werden mit gleichbleibend hohem Fokus auf den Industrieländern, die auch zukünftig rund zwei Drittel des Druckvolumens produzieren. Die Gesamtverantwortung im Vorstand dafür hat seit dem 1. Juni 2012 Marcel Kiessling (51) übernommen. Er bündelt damit alle Kundenkontakte mit den Vertriebs- und Servicefunkionen sowie dem Geschäft mit Verbrauchsmaterialien.

Mit den eingeleiteten Maßnahmen aus Focus 2012, den organisatorischen Veränderungen zur Stärkung der Wachstumsbereiche sowie der kompletten Überarbeitung des Produktportfolios mit rund 60 Innovationen zur Drupa hat Heidelberg die Basis für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung als klare Nummer eins in der Branche weiter ausgebaut.
 
Ausblick – Drupa markiert positiven Auftakt ins Geschäftsjahr 2012/13

Das Geschäftsjahr 2012/2013 wird voraussichtlich durch die positiven Impulse von der Drupa geprägt werden. Für das erste Quartal im laufenden Geschäftsjahr geht das Unternehmen aufgrund des erfolgreichen Verlaufs der Fachmesse Drupa von einem Auftragseingang von über 800 Mio. Euro aus, und damit dem höchsten Wert seit vier Jahren. Insgesamt erwartet Heidelberg in der ersten Geschäftsjahreshälfte höhere Auftragseingänge, die im zweiten Halbjahr zu steigenden Umsätzen führen. Das weltweite Druckvolumen steigt leicht an und führt deshalb, wie auf der Drupa gezeigt, zu Ersatzinvestitionen in den Industrieländern und zu Neuinvestitionen in den Wachstumsregionen.

Heidelberg erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein deutlich positives Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit vor Sondereinflüssen, das jedoch vor allem im ersten Halbjahr von anfallenden Kosten für die Drupa und Produktanlaufkosten belastet wird. Die Messe wird zudem zu einer klaren Verschiebung der Umsätze in die zweite Geschäftsjahreshälfte mit entsprechend verbesserten Deckungsbeiträgen führen.

Die Einsparungen aus dem Effizienzprogramm Focus 2012 werden bereits im laufenden Geschäftsjahr anteilig zum Tragen kommen. Bis zu ein Drittel der geplanten jährlichen Einsparungssumme von 180 Mio. Euro soll bereits im laufenden Geschäftsjahr realisiert werden. Die hierfür notwendigen Aufwendungen werden jedoch das Finanzergebnis belasten. Aufgrund des Finanzergebnisses wird das Ergebnis vor Steuern negativ erwartet. Der Free Cashflow wird im Geschäftsjahr 2012/2013 durch die anteiligen Auszahlungen für Focus 2012 erheblich belastet werden und zwischenzeitlich zu einer höheren Nettofinanzverschuldung führen. Sobald die weiteren Entwicklungen wie auch das Nachmessegeschäft besser absehbar sind, wird die Prognose weiter konkretisiert.

Im Geschäftsjahr 2013/2014 erwartet Heidelberg, dass sich die Markterholung fortsetzt. Sollte sich die Konjunktur entgegen der Erwartung nicht verbessern oder die Investitionsquote weniger zunehmen, könnte dies zu einem im Vergleich zum laufenden Geschäftsjahr leicht rückgängigen Umsatz führen. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit ohne Sondereinflüsse selbst in diesem Fall weiter verbessern würde, weil die Kostensenkungen des Effizienzprogramms Focus 2012 voll wirken werden. Das Unternehmen strebt somit im Geschäftsjahr 2013/2014 weiterhin ein operatives Ergebnis ohne Sondereinflüsse von rund 150 Mio. Euro sowie einen Jahresüberschuss an.

"Wir haben mit neuen Produkten, einer verbesserten Kostenbasis, einer neuen Organisation und einer stabilen Finanzierung eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen", sagte Bernhard Schreier. "Auf der Drupa konnten wir unsere führende Stellung im Markt deutlich unter Beweis stellen. Jetzt gilt es, die verbesserte Branchenstimmung und die Chancen im Markt zu nutzen, die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen weiter konsequent umzusetzen und somit im Jahr 2014 wieder in die schwarzen Zahlen zurückzukehren."

Profitabilität und Wachstum in einem veränderten Wettbewerbsumfeld

Mit der in der Branche einmaligen Innovations- und Integrationskompetenz hat das Heidelberg Management Team die langfristigen Zukunftsthemen in Angriff genommen.  Dabei steht das "Drucken der Zukunft, auf Papier und anderen Oberflächen" im Vordergrund.

Heidelberg will weiterhin die unbestrittene Nummer eins für den professionellen Druckdienstleister bleiben. Dieser wird in Zukunft vermehrt innovative Produkte für Verpackungen, Werbung und Geschäftssachen in Kleinauflagen, drucktechnisch attraktive Sonderanwendungen, Produktivität und Effizienz in den Standarddrucksachen, aber auch verstärkt eine höhere Integration ins Internet und Vernetzung der gesamten Druckproduktion benötigen. Für all diese Herausforderungen hat Heidelberg auf der Drupa als einziger Hersteller erfolgreich Lösungen präsentiert.

Dieses Lösungsangebot gilt es jetzt konsequent auszubauen, nicht nur durch effizientere Maschinen, die mit Offset-, Flexo- oder Digitaldruckverfahren oder auch kombiniert arbeiten werden, sondern auch durch erweiterte Dienstleistungen, die über das einmalige weltweite Vertriebs- und Servicenetzwerk mit über 4.000 Mitarbeitern in 170 Ländern angeboten werden.

Daneben werden die Kompetenzen in der Entwicklung, Produktion und im Service komplexer Produktionssysteme und Anlagen konsequent genutzt, um auch andere Geschäftsfelder zu erschließen, wie zum Beispiel "funktionales Drucken". Großes Potenzial besteht im Bedrucken der unterschiedlichsten Oberflächen, Stichworte sind hierbei "gedrucktes Licht", "intelligente Verpackungen", "interaktive Printprodukte" oder auch "3D-Druck". In diesem Zukunftsmarkt entwickelt Heidelberg intensiv im Verbund mit anderen Technologieunternehmen.

atz / 06/14/2012

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