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VDMA: Drupa gibt Druckindustrie in schwieriger Zeit Impulse


Die deutsche Druckmaschinenbranche hat in schwierigem Umfeld eine positive Zwischenbilanz der Weltleitmesse Drupa gezogen. "Viele Unternehmen sehen ihre vorsichtigen Erwartungen an das Branchentreffen zur Halbzeit übertroffen", sagte Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbands Druck und Papiertechnik im VDMA, am Mittwoch in Düsseldorf.


Die Besucherzahlen blieben zwar in der ersten von zwei Messewochen hinter denen der letzten Drupa 2008 zurück. Dafür hat sich für die Unternehmen die Qualität der Besucher erheblich verbessert, denn ganz überwiegend sind die Besucher auch in der Lage, Investitionsentscheidungen zu treffen. "Wir sind überzeugt, dass von der Drupa positive Impulse ausgehen", fasste Bernhard Schreier, Drupa-Päsident und Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen die Stimmung zusammen. Der VDMA lässt im folgenden einige der deutschen Unternehmen mit ihrer Einschätzung zu Wort kommen.

Koenig & Bauer – Hersteller von Offsetdruckmaschinen

"Wir liegen mit den Geschäftsabschlüssen im Plan und rechnen mit Aufträgen im dreistelligen Millionenbereich. Die Rekorde der Messen in Düsseldorf aus 2000 und 2004 werden wir aber nicht mehr sehen", sagte Marketing-Direktor Klaus Schmidt. Die Besucherresonanz sei besser als erwartet. Vor allem Kunden aus der Verpackungsindustrie sorgten für Optimismus. Dagegen spüre man eine starke Zurückhaltung von Kunden aus Südeuropa. "Wegen der Schuldenkrise gibt es dort häufig Schwierigkeiten, größere Investitionen zu finanzieren. Das sehen wir deutlich", sagte Schmidt.

Polar-Mohr – Hersteller von Schneidemaschinen

"Wir sind mit der ersten Woche sehr zufrieden. Wir haben viele Anfragen. Das lässt ein gutes Nachmessegeschäft erwarten", sagte Geschäftsführer Alfred Henschel. Die meisten Interessenten kämen aus Asien. Die schon seit einiger Zeit festgestellte Tendenz zur Verschiebung wichtiger Märkte habe sich für Polar-Mohr auf der Messe verstärkt. Das Geschäft mit klassischen Druckmaschinenherstellern laufe zwar gut, aber das mit Digitaldruckern entwickele sich dynamischer. Polar-Mohr stellt ein starkes Interesse an kleineren Schneidmaschinen fest.

Heidelberger Druckmaschinen – Lösungsanbieter rund um Bogenoffsetmaschinen

"Es wird wieder investiert, und das nicht nur aus den Schwellenländern. Auch aus den Industrieländern kommen große Aufträge. Deshalb sind wir mit der Drupa bislang zufrieden", sagte Bernhard Schreier. Auch die leichte Erholung, die man seit einigen Quartalen im amerikanischen Markt beobachte, setze sich für Heidelberg fort. Mit den Schwerpunkten  Flexibilität und Produktivität habe Heidelberg die richtigen Themen auf der Messe gesetzt. Die Kombination aus Offset- und Digitaldrucklösungen habe hohen Zulauf. Zunehmend seien die Kunden auch wieder bereit, ihre Produktion auszubauen und in große Maschinen zu investieren.

Technotrans – Anbieter von Flüssigkeiten-Technologien

"Wir sehen viele Impulse aus dem Digitaldruck. Besonders bei Themen wie Temperierung oder Farbe gibt es noch viel Potenzial für Technotrans. Deshalb sind wir mit der Messe bislang sehr zufrieden", sagte Henry Brickenkamp, Sprecher des Vorstands. Während die Nachfrage von der Digitaldruckseite sehr hoch ist, ist Technotrans bei den Perspektiven für den Offset-Bereich nur verhalten optimistisch. Großes Interesse gebe es auch von der Endkundenseite. Gefragt seien hier vor allem Dosiersysteme und Farbversorgungssysteme. "Ich glaube, der positive Drupa-Effekt wird für unsere Branche die Schwäche des ersten Quartals 2012 egalisieren", sagte Brickenkamp.

Manroland Web Systems – Hersteller von Rollenoffsetmaschinen

"Der Investitionsstau ist auf wichtigen Märkten noch größer geworden. Er wird sich nicht schlagartig, sondern nur sukzessive auflösen. Zu dieser Auflösung trägt die Drupa einen Teil bei. Vor diesem Hintergrund sind wird mit dem Messestart sehr zufrieden", sagte Peter Kuisle, Leiter Vertrieb, Service und Marketing. Mehr Kunden als erwartet seien aus den USA gekommen, wo der Druckmaschinenmarkt seit Jahren am Boden liegt. Nach einer allfälligen Konsolidierung der Branche erwartet Manroland Web Systems wieder mehr Aufträge von dort: "Wir spüren eine verhaltene Bewegung in diesem wichtigen Markt."

Windmöller & Hölscher – Hersteller von Flexodruckmaschinen und Verpackungsmaschinen

"Nach einem ruhigen Start hat die Drupa deutlich an Fahrt aufgenommen. Erfreulich ist die hohe fachliche Qualität der Besucher, zum großen Teil aus Übersee, die nicht selten mit ernsthaften Investitionsabsichten auf unseren Stand kommen, sodass wir schon einige Abschlüsse tätigen konnten", sagte Dr. Jürgen Vutz, Vorsitzender der Geschäftsführung und zugleich Drupa-Vizepräsident. In letzterer Funktion bewertet Dr. Vutz die Messe als Ganzes: "Mein Gesamteindruck ist positiver als erwartet. Daher schaue ich durchaus optimistisch in die zweite Hälfte und bin von einem weiteren positiven Messeverlauf überzeugt."

H.C. Moog – Hersteller von Tiefdruckmaschinen

"Das Interesse an Veredlungsmöglichkeiten von Druckprodukten steigt kontinuierlich. Es hat sich inzwischen weit herumgesprochen, dass H.C. Moog in dieser Nische zuhause ist. Deshalb haben wir vom ersten Tag an eine lebhafte Nachfrage gespürt", sagte Achim Kurreck, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. Besonders nachgefragt sei die Veredelung im Tiefdruckverfahren in Kombination mit anderen Druckverfahren. Interesse komme auch von der Verpackungsseite.

atz / 10.05.2012